Mrz
02
2008

Wherigo – oder auch: ein steiniger Weg

Am 26. November letzten Jahres begann im grünen Forum eine Diskussion über die neue Spielart des GPS-gestützen Rumlaufens (nennt sich „WherIgo“). Es geht, grob gesagt darum, auf bislang äußerst wenigen Geräten eine Art Auftrag a la „Kobra übernehmen Sie“ auf sein Gerät zu  überspielen. Das GPS im Gerät übernimmt dabei die Rolle des Beweisführers. Es petzt dem Wherigo-Programm, ob man es geschafft hat, sich dahin zu bewegen, wohin der Auftrag den Spieler lotst.

Nach einer Reihe von gelösten Aufgaben („Ja, brav – hol’s Stöckchen! Bist ein guter!“) darf man dann möglicherweise auch eine Dose suchen und sein Logfile dem Großen Bruder zur Verfügung stellen. Der erfährt, welcher Username welches Gerät benutzt (Datenschutz?) und liefert zur Not auch ein Alibi, falls man unter Mordverdacht gerät:
snap0047
Die Datenzeilen enthalten nämlich Zeitstempel und Koordinatenpaare. Sie sollten reichen, um sich sogar vom Verdacht der Buntmetalldieberei reinzuwaschen.

Der praktische Teil

Heute nun war der Tag der Tage. Ich hatte mir ein Asus P750 Smartphone ausgeliehen, den Wherigo-Player von der hinlänglich bekannten Website überspielt und und auf das Gerät genudelt. Doch das Programm fand das GPS nicht. Für alle anderen GPS-Anwendungen kein Problem, nur für den beknackten Player …  Auf dem gestrigen Süderelbe-Treffen hatte Dirk (R2D2) mir aber einen Floh ins Ohr gesetzt: Ich schaltete die automatische GPS-Zuweisung von Windows Mobile aus, sorgte dafür, dass das Wherigo-Programm beim Klick auf das Schließkreuz tatsächlich beendet wird (und nicht nur unterbrochen), und dann probierte ich der Reihe nach alle COM-Schnittstellen der GPS-Zuweisung einzeln durch. Jedes Mal die gleiche Prozedur: Port zuweisen, Wherigo starten, abwarten, ob eine Fehlermeldung kommt, dann Wherigo beenden, dem GPS einen neuen COM-Port zuweisen und so weiter. Irgendwann hat der Wherigo-Player dann entnervt die Segel gestrichen. Vielleicht wirkte die unterschwellige Drohung, das Programm mitsamt Gerät in eine erdnahe Umlaufbahn zu befördern?

Nachdem nun endlich das Antennensymbol im Player schön grün eingefärbt war, lud ich mir schnell die Hamburg-Cartridge von Michael Zielinski auf den Player. Er hatte schon in seinem Weblog sein Demo-Werk angekündigt. Und als sich alle dazu gehörigen Bits endlich in meinem Computer versammelt hatten, lud ich das Ganze ins Verzeichnis Groundspeak/Wherigo/Cartridges, synchronisierte dieses mit dem Asus. Dann sausten meine alligateuse und ich zum Ort des Auftraggebers.

Schon beim Start des Programmes kam die Meldung, dass ich an wichtiger Stelle angekommen bin. Soweit, so gut! Die zweite Aufgabe war wohl eher aus Demozwecken drin, denn zu tun gab es eigentlich nichts. Umso besser, denn dann ging es gleich zum Final. Der recht kleine Pfeil auf dem Display zappelte ein wenig, und die angezeigte Zahl war recht ungewöhnlich, zeigte sie doch Entfernungsangaben in Meilenbruchstücken an. Da Olli mit seinem Equipment (siehe Bild, nein, nicht die Kristallkugel!) aber vorher schon erfolgreich das Zielgebiet eingrenzen konnte, gab es keinen Zweifel, wohin des Weges wir uns in Bewegung setzen mussten
ddo

Dort angekommen, verweigerte das Gerät allerdings hartnäckig eine Anzeige von weniger als 5 amerikanischen Füßen Distanz zum Cache. Das könnte ein Hinweis auf ein Static Navigation-Problem sein. ich denke jedoch, dass eine Annäherung zum Cache auf weniger als 10 Meter schon eine „Angekommen, jetzt such mal schön“-Meldung erzeugen sollte.

Gut, die Dose war schnell gefunden, denn für Geocacher sind 5 Füße natürlich ein Klacks, und nach dem Log auf Papier war es dann also vollbracht.

Hausaufgaben!

Daheim, war dann noch das Log aus dem Asus zu pulen, und schließlich war ein Log auf der Wherigo-Seite samt Hochladen des Logfiles sowie ein weiteres auf der gc.com-Seite zu erledigen. Ganz schön viel Aufwand für nur einen Cache!

Na und?

Die Geschichte könnte Spaß machen, aber mich stören noch einige Dinge:

  • Die Datensammelwut passt mir nicht. Es gibt keinen Grund dafür, dass ich Groundspeak verraten muss, wann ich mit welchem Gerät wo war.
  • Bislang funktioniert das ganze nur auf dem Garmin Colorado sowie auf einigen Windows-Mobile-Geräten. Es ist auffällig, wie wenig Support es für letztere Gerätegattung gibt.
  • Die Lokalisation ist auf US-Verhältnisse zugeschnitten, auf Meilen und Füße, beim Builder ebenso.
  • Der Richtungspfeil ist geradezu rührend klein. Eine Karteneinblendung auf dem PDA ist Fehlanzeige.
  • Das Programm zum Gestalten von eigenen Wherigos ist unbrauchbar, außer für sehr geduldige Nerds.
  • Aus dem letzten Punkt folgt, dass derzeit die Schwelle zum Selberlegen schon sehr hoch sind. Will man aber wirklich etwas Gutes machen, dann muss man sich tief in sein Storyboard reinknien, Alternativen durchdenken und programmieren. Das können wohl nur die wenigsten, man denke nur mal an die üblichen lässlichen Sünden an mehrdeutigen Beschreibungen in Caches („suche links“, „Quersumme“)
  • snap0046Doppelte Moral: Dieser Cartridge sind bislang kostenlos, aber unübersehbar ist ein Preisschild in der Nähe des Überspiel-Knopfes angebracht. Hier wird nicht nur Vertretern der reinen Cache-Lehre (keine Dosen an Kommerztempeln verstecken etc. pp) flau. Denn wie lange wird dieses „free“ wohl Bestand haben?
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