Jun
24
2013

Offiziell angekündigt: Garmin Monterra, Outdoor-GPS mit Android 4


Garmin Monterra all angles

Es stimmt also. Garmin bringt ein Outdoor-GPS mit echtem Android-Betriebssystem, Bluetooth 3.0 und WLAN, aber ohne Mobilfunk-Modul. Während der Outdoor-Messe im Juli in Friedrichshafen wird Garmin seinen neuen Ortungsbrocken der Welt vorstellen. Der große Vorteil einer solchen Lösung: Es lassen sich beliebige Apps aus dem Google Play Store und wohl auch APK-Dateien aus anderen Quellen installieren. Was nicht drin ist: Mobilfunk. Kurz und knapp erstmal die harten Fakten.

Die Hardware

Einige Infos tauchten schon in Präsentationen zum Produkt auf.

  • So groß wie das Montana, also ein ziemlicher „Knochen“ (7,4 mal 15,2 mal 3,6 cm).
  • 326 Gramm schwer
  • insgesamt 6 GB, wovon 2,7 frei (entgegen der PM NICHT 8 GB, 7 GB frei!)
  • GPS und GLONASS-Empfang
  • Transflektives kapazititves Display mit 4 Zoll Diagonale.
  • nur 480 mal 272 Pixel Auflösung
  • Wie beim Oregon 600/650: Zweifinger-Gesten
  • mit Handschuhen bedienbar
  • Wasserdicht nach IPX-7 (30 Minuten in 1 Meter Wassertiefe)
  • Bluetooth 3.0, will sagen: Low Power Bluetooth-Verbindungen (4.0) sollen womöglich erst später unterstützt werden, etwa für geeignete Sensoren
  • ANT+ Unterstützung
  • NFC: Für diesen Nahbereichsfunk gibt‘s wohl noch nicht allzu viel Anwendung.
  • UKW-Radio
  • 8 Megapixel Kamera, Autofokus und HD-Video-Funktion
  • LED-Taschenlampe und Blitz (wie im Oregon 600/650)
  • Garmin Cloud Unterstützung
  • Mikrofon und Lautsprecher (wassergeschützt)
  • UV-Sensor (gibt‘s nicht in Smartphones)
  • Gyroskop
  • Beschleunigungsmesser
  • 3-Achsen-Kompass
  • barometrischer Höhenmesser
  • Betrieb mit Garmin-LiIon-Akkupack (16 bis 20 Stunden) oder wahlweise 3 AA-Akkus, wie beim Montana)
  • herkömmliche Garmin-Karten wie bisher verwendbar, eine Freizeitkarte (1:100000) für Europa ist vorinstalliert.
  • Einige Apps sind vorinstalliert, etwa ein Gipfel-Finder (Peak Finder Alps) zum Bergsteigen
  • UVP: 669 Euro

[Quelle: Garmin Pressemitteilung sowie Präsentationspapier]

Und? Was sollen wir davon halten?

Garmin Monterra frontback

Viele werden im Monterra das Mobilfunk-Modul vermissen. Ich persönlich nicht. Der Monterra lässt sich mit anderen Smartphones per Tethering-Funktion verbinden. WLAN (811.bgn) ist eingebaut, ac jedoch nicht.

Jubelschreie wird‘s von denen geben, die nun endlich wieder Wherigos mit Ihrem Garmin machen können. Einfach App laden und los. Und fürs papierlose Geocaching entfällt Doppelarbeit, zuerst die Caches aufs GPS zu nudeln und sie noch ein weiteres Mal in der App auf dem Smartphone vorzuladen, weil damit das Lesen leichter ist und sofort online geloggt werden kann.

Das überbordende Angebot an Apps hat auch einen Nachteil. Denn bislang konnte jeder eingefleischte Garmin-Nutzer fast jedes neue Modell sehr schnell bedienen, da sich das Bedienkonzept zumindest stark ähnelte. Wie es aussieht, ist es damit jetzt vorbei. Der Monterra bedient sich wie ein Android-Smartphone, erste Screens lassen darauf schließen, dass auch die Grundfunktionen als App aufzurufen sein werden – wie auch sonst? Klar ist: Die Vielzahl an Android-Apps erweitern die Nutzungsmöglichkeiten enorm. Ob es alle liebgewonnenen Funktionen – etwa die Wegpunktmittelung, die Flächenberechnung oder MOB in die ausgelieferten Geräte geschafft haben, ist noch nicht bekannt – ein Testgerät soll hier bald eintrudeln, dann kann ich es sagen. Einige Funktionen werden aber wohl erst als App programmiert werden müssen. Interessant wird sein, welche Apps mit der vergleichsweise schlappen Display-Auflösung (480 x 272 Pixel) akzeptabel aussehen. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S3 Mini bringt es mit 4-Zoll-Display immerhin schon auf 480 x 800 Pixel). Sicherlich kommt dies aber einer längeren Akku-Laufzeit zu Gute

peakfinder Alps im Monterra podcast-App im Monterra Radio-App im Monterra

Was die Karten angeht, ist Garmin einen mutigen Schritt gegangen. Denn schon in der Pressemitteilung teilt Garmin ganz offen mit, dass sich außer den Kaufkarten auch Open-Streetmap-Karten verwenden lassen. Das ist für Kenner zwar nichts Neues, aber es strahlt doch ein gewisses Selbstbewusstsein aus, nach dem Motto: „Unsere Karten sind so gut, dass sie auch weiterhin gekauft werden.“ In der Tat gibt‘s über die letzten Jahre hin für mich immer weniger Gründe, den Kartographen der jeweiligen Karte verdreschen zu wollen – eine fehlerlose Karte wird es aber wohl nie geben. Doch streng genommen kann man sich das Laden einer Karte je nach App sogar ganz sparen. Die Geocaching-App – so seltsam sie teilweise auch ist – erlaubt ja beispielsweise das Vorabladen der benötigten Kartenausschnitte.

Während sogar zünftige Outdoor-Smartphones mit Akkulaufzeiten (im echten Gebrauch, nicht nur zaghaft verwendet!) von rund 3 bis zu optimistischen 9 Stunden eher zu sparsamer Nutzung animieren, gibt’s mit dem Monterra endlich mal was, das zumindest nach Papierform bis zu 20 Stunden lang durchhalten soll. Ich bin gespannt, wie sich die Laufzeiten im praktischen Betrieb einpendeln – Erfahrungswerte von älteren Garmins sollte man wohl nicht einfach übertragen, denn gerade bei Apps von Fremdherstellern kann man nicht unbedingt stromsparende Programmiertechniken unterstellen. Doch ein Pluspunkt bleibt auf jeden Fall: Der teure Garmin-Akku lässt sich unterwegs einfach durch leicht erhältliche AA-Zellen ersetzen, die es fast überall gibt.

Nachdem beispielsweise das Takwak 700 mit antikem Android-Betriebssystem 2.2.3 und rückständiger Hardware Jahre von den ersten Gerüchten bis zum kaufbaren Gerät brauchte, vergingen vom ersten Raunen bis zur Vorstellung nur knapp zehn Wochen. Okay, bis die ersten Geräte ausgeliefert werden, fallen wohl wieder die Blätter von den Bäumen. Garmin hat somit die Scharte des Nüvifone wieder ausgewetzt. Das Nüvifone war ein viel versprechendes Smart-GPS von Garmin und Asus, das groß angekündigt wurde, aber nie auf den Markt kam. Diesmal läuft‘s wohl anders. Hoffentlich werden die ersten Käufer nicht mehr als ohnehin schon mit unfertiger Firmware und Hardware-Problemen gequält. Zumindest für die Software sehe ich einigermaßen optimistisch in die Zukunft, denn Android ist ein dankbares Betriebssystem zum Einbau selbst in die seltsamsten Geräte. So steckt es auch in meinem Parrot-Autoradio – und muckt kein Stück.

Fazit

Für mich ist das Monterra auf jeden Fall eine Bombe <— das ist für euch, GCHQ und NSA ;-). Android und ein solides wie robustes GPS mit großem transflektivem Display und langer Laufzeit – das kann mich schon locken. Hauptsache, Garmin wird das Monterra auch, wie von anderen Garmins gewohnt, auf Jahre hin weiter mit Software-Updates versorgen. Die Frage: „Wann kommt endlich das Android-XYZ-Update für mein Monterra?“ möchte ich mir einfach nicht stellen müssen.

Etwas shocking ist zunächst der Preis von 669 Euro. Er wird wohl viele vom Kauf abhalten. Dennoch: Der Listenpreis liegt 200 Euro über dem Montana 650t, der wiederum auf der Straße für zurzeit rund 550 Euro zu haben ist. Will sagen: Nachdem die Nerds und Garmin-Museum-Sammler (wie ich) erst mal zugeschlagen haben und die ersten Shitstorms wegen etwaiger Mängel über Garmin hereingebrochen sind, rechne ich mit etwa diesem Preis. Damit liegt es in der Größenordnung eines guten Smartphones. Was man nun nimmt, hängt vom Geldbeutel, den eigenen Ansprüchen und natürlich vom Suchtfaktor ab. Und es wird wohl immer die geben, die sich ein gelbes Etrex schnappen, damit losziehen und auch damit alles finden – wieso auch nicht. Ein erster Hands-On-Bericht folgt – so alles klappt – hier in wenigen Tagen.

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6 Comments »

  • alligateuse sagt:

    Na, ich bin ja mal gespannt und freue mich, wenn ich den Klopper mal in die Hand nehmen kann. Von meinem Montana bin ich ja diese Dimensionen gewöhnt. Besonders interessiert mich natürlich, wie anwenderfreundlich die Bedienung dann gestaltet werden kann und wie sich die Heirat von Garmin und Android dann in der Praxis zeigt. Eine eierlegende Wollmilchsau wünscht man sich natürlich immer 😉

  • Flyinggreg sagt:

    Ich habe mich sehr auf das Gerät gefreut und habe es nun seit 2 Tagen. Es liegt bereits wieder im Karton – ich schicke es zurück!
    Für unser Geocaching-Hobby ist es absolut nicht brauchbar:
    -keine GSAK-Verbindung
    -permanenter Absturz beim einlesen einer pocket-query mit 9000 Caches
    -enttäuschendes Display (webinhalt kaum lesbar)
    -Karten von der SD-Karte werden nicht geladen
    -wenn man beim drücken einer Cachebeschreibung auf LOS drückt, wird die Karte nicht mehr angezeigt. Es kommt vielmehr eine Fehlermeldung: geocaching-app reagiert nicht!

    In Summe: ein unausgereiftes Produkt das trotz guter Ansätze für das Gebotene viel zu teuer ist!

    Gruß Flyinggreg

    • ksmichel sagt:

      Hallo Flyingreg,
      danke für deine Meinung! Das mit GSAK ist seltsam – bei der Vorserie ging es noch ohne Probleme. Damit habe ich die Caches aufs Gerät genudelt. Dass das Display für die Android-Komponente enttäuscht, habe ich ja auch schon geschrieben. Karten von der SD-Karte werden nicht geladen? Das ist ebenfalls seltsam, denn in die Vorserie hatte ich noch meine micro-SD mit der Topo V6, und die lief.
      Nach meinen Infos hat sich der Verkaufsstart in D auch deshalb so lange hingezogen, weil nach umfangreichen Redesigns in der Firmware noch zu viele Bugs übrig waren. Doch da das Gerät im Ausland schon überall zu kaufen ist, war der Druck der Händler in D wohl zu groß, so dass am Ende sowas dabei raus kam. Unausgereift ist bei ganz neuen Garmins aber wohl fast Standard. Es dauert fast immer ein Jahr, bis die Firmware-Updates das Gerät auf einen guten Stand gebracht haben. Das war bei meinem Montana und Dakota sowie beim 60sx leider nicht anders. Wer früh kauft, muss leiden.

      • Flyinggreg sagt:

        Hallo ksmichel!

        Nun habe ich es doch nicht übers herz gebracht das teil einfach zurück zu schicken. Inzwischen hat garmin ein kleines update gemacht und siehe da es werden nun die caches geladen. Das mit der karte liegt ev am sd-format. Das muss ich noch anschauen.
        GSAK läuft jetzt mit ftp-Server und einem Marco…
        Ich werde das teil heute testen und dann mal schauen…..

        Gruß flyinggreg

        • misemaan sagt:

          Ich habe das Monterra letzte Woche bekommen und gestern getestet. Das Display finde ich ganz OK- habe aber folgendes festgestellt:
          1. Eine PQ (ca. 5000 Caches mit dem PQ konverter erstellt wurde von der SD Karte nicht eingelesen. Von dem internen Speicher aus dem Garmin/GPX Verzeichnis wurde die PQ erkannt- aber die Beschreibungen der Caches hört nach ein paar Zeilen auf. Die App ansonsten sieht recht gut aus, stürzt aber hier und da ab.
          2. Die Entfernung beim „Luflinienrouting“ wird nicht angezeigt- wenn man Routet ist sie da.
          3. Die Kartendarstellung ich verwende die Topo 2012 Pro ist m.e. recht schlecht – mir war die auf dem Montana lieber. Die Topologiedarstellung ist, so finde ich recht störend.
          4. Beim Montana oder Oregon konnte man auf der Karte einen Punkt setzten und darunter die Karte verschieben solange bis man da war wo man hin wollte- dies geht jetzt nicht, mir ist es nicht gelungen einen POI Punkt zu markieren- die Karte flutscht nur immer hin und her.
          5. Eine Einstellmöglichkeit für das Ablegen der Fotos auf der SD Karte habe ich auch noch nicht gefunden.
          6. Das einlesen der Karten von der SD Karte klappte aber einwandfrei.
          Gruß
          Peter

  • Flyinggreg sagt:

    Wie angekündigt habe ich das Monterra nochmals intensiv getestet und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
    1. Das Display ist für die Garmin-App Ok für die anderen Apps nicht
    2. Das Einlesen der Karten von SD klappt – dauerte bei mir jedoch 20 Minuten für 4 GB
    3. Der Kompass zeigt nicht mehr die Entfernung zum Cache an
    4. Wenn man beim Cachen mit der Garmin-App auf den aktuellen Cache drückt (Profil Geocachen) kommt man nicht wie bisher auf die Cachebeschreibung sondern auf die Cache-Liste
    5. Die Cacheliste zeigt immer alle Caches. Die bereits gefundenen inklusive. Man muss erst einen Filter definieren.
    6. Gut ist, dass jetzt zu einem Cache bei der Auswahl auch zugehörige Wegpunkte angeboten werden.
    7. Die Cachebeschreibung wird wie schon vorher bei Wegpunkten nicht angezeigt! (Wenigstens das hätte man beheben können)
    8. GSAK-Anbindung klappt nur mit Workaround. Allerdings wird nur die Beschreibung nicht der erweiterte Text des Caches übertragen. Dasselbe passiert beim übertragen direkt von Geocaching. ALso heißt das: paperless Cachen ade. Nehmt bitte immer den kompletten Listung-Ausdruck mit!!
    9. Die Karte behält nicht die letzte Zoom-Stufe (meistens). Die lila Luftlinien-Spur wird beim zoomen auch größer und verdeckt die Karte.

    Fazit: wer sich das Gerät besorgt und eine Alternative zum Handycachen sucht, der möge zugreifen. Die Garmin-App sollte man dann vergessen und mit einer Alternative cachen gehen (z.B. Geocaching-App, c:geo, GDAK usw). Dann ist es sicher ein gutes Gerät. Wer allerdings so wie bisher cachen möchte, wird mit dem Gerät kaum Freude haben.
    Ich für meinen Teil habe es retpur geschickt und schätze mein MONTANA umso mehr!

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