Sep
12
2008

Oregano – oder: kein richtiger Test

Ich hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, den Garmin Oregon 300 auszuprobieren. Ich möchte jetzt nicht den tollen Test von Navigation professionell wiederkäuen. Aber ein paar Screenshots habe ich, und ein paar Bemerkungen außerdem.

Haptik:

Die gefällt außerordentlich. Die faustgroße Kiste mit dem 3-Zoll-Display liegt gut in der Hand. Der Ausschalter auf der rechten Seite ist kaum aus Versehen zu betätigen, dazu ist er zu schwergängig. Der Schalter liegt zudem für Links- und Rechtshänder gleichermaßen griffgünstig.

Die Menüs sind erstklassig schnell zu bedienen. Die Eingaben werden schnell verarbeitet, die Anzeige wechselt dann sofort. Insgesamt kommt beim Hin- und herschubsen von Menübildschirmen ein wenig Iphone-Stimmung auf. Statt Durchdrehen am Haribo Colorado gehen die Eingaben mit der eingeblendeten Tastatur sehr fix von der Hand. Das Tastenlayout (ABCDE) lässt sich allerdings nicht ändern. Alles in allem aber eine überzeugende Lösung.

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Anzeige:

Beim ersten Herumspielen dachte ich: Wie kann Garmin nur ein so dunkles Display verbauen? Selbst mit eingeschalteter Beleuchtung war es kaum abzulesen. Dann kam ich drauf: Ein kurzer Druck auf den Einschaltknopf öffnet ein Beleuchtungsmenü. Damit lässt sich die Beleuchtung auf ein gut ablesbares Maß einstellen. Allerdings muss die Beleuchtung in den meisten Fällen an bleiben, denn die Anzeige, obwohl matt erscheinend, spiegelt im Vergleich zu vielen Navis recht stark. Die Helligkeit muss daher die Spiegelungen „überbrüllen“. Klar, das dies auf die Akkulaufzeit schlägt. Sie beträgt mit 2700-mAh-Markenakkus noch rund 12 Stunden. Mit reduzierter Beleuchtung geht es sicherlich länger.

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Oben links: voreingestellte Helligkeit, rechts mit mehr „Dampf“. In Wirklichkeit wirkt die Anzeige dann noch etwas heller, da die Kamera nicht exakt gleich belichtet hat, sondern etwa kürzer (vgl. Hintergrund).

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Das linke Bild zeigt, wie sehr das Oregon normalerweise spiegelt. Mit starker Beleuchtung (rechts) lässt sich der Effekt überspielen.

Karte:

Wer sich ein Hand-Navi für draußen kauft, der ist oft überrascht, dass
a) in seinem neuen Gerät noch gar keine brauchbare Karte eingebaut ist – das ist bei „richtigen“ Navis deutlich anders, die gibt’s ohne Karte nicht einmal.
b) dann auch noch zwei separate Karten nötig sind: eine fürs Gelände (Topo: für Gesamt-D 160 Euro) und eine, mit der das Gerät auch Routen berechnen kann (City Navigator Europa NT8: 130 Euro). Macht summa summarum eine glatte Verdoppelung des Kaufpreises aus.

Immerhin: Die mitgelieferte Basiskarte ist erstaunlich gut im Verhältnis zu dem, was vorher Standard war. Oder auch: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Die Bilder zeigen: Das Straßennetz ist im Oregon 300 nur rudimentär vorhanden, die Höhenstufen des Geländes nur Grobindikatoren. Aber immerhin: All das ist mehr als wir bislang bekamen, und Garmin will sicherlich auch mit Karten noch ein Geschäft machen.

Empfangsleistungen:

Der Oregon300 braucht gefühlte Jahrhunderte, bis er eine Position anzeigt. Besonders die Ermittlung einer Position im Kaltstart-Modus dauert mehrere Minuten, und diese Zeit verlängert sich noch sehr viel stärker, wenn das Gerät in Bewegung ist. Ich kann nicht beurteilen, ob es sich nur um Einzelfälle handelt, doch schien mir auch der Zeitraum zur Verbesserung der Genauigkeit (also das Einfangen zusätzlicher Satelliten) recht zäh vonstatten zu gehen. Jedenfalls sank die Genauigkeitsanzeige recht langsam auf einen Wert, der sich mit dem GPSMAP 60CX vergleichen ließ. Im praktischen Vergleich war die Positionsgenauigkeit aber ebensogut wie beim 60er.

Cachen mit dem Oregon:

Wer zuvor mit dem 60er unterwegs war, der wird sicherlich zunächst begeistert sein, denn die Cachebeschreibungen samt einer Finde-Liste sind schon im Gerät enthalten, genauso übrigens wie im Garmin Colorado. Auch Hints und Logs sind drin, aber keine Spoilerbilder. Für letzteres kann man sich behelfen, indem man die wichtigsten Spoiler aufs Gerät lädt und mit dem Bildbetrachter im Oregon anschaut.

Alle Beschreibungen werden übrigens standardmäßig im Gerätespeicher abgelegt und nicht auf der Speicherkarte. Die Cache-Infos bleiben also im Falle des gar nicht so seltenen Speicherkartendefektes erhalten.

Bilder und Besonderheiten:

garmin_oregon 300_005.png Welcher Cache ist in welcher Entfernung und in welcher Richtung? Dieses Bild sagt’s
garmin_oregon 300_006.png Alle Infos sind da, auch wieder die drolligen verfolgbaren Elemente (Trackables, vulgo: TBs und Coins). Allerdings ist die Schrift arg klein geraten.
garmin_oregon 300_011.png Die Basiskarte zeigt in etwa die Topographie, den Verlauf von Autobahnen und Bundesstraßen. Wunder darf man aber nicht erwarten.
garmin_oregon 300_018.png Das kennen wir doch? Richtig! Der nur zweiachsen-stabilisierte Kompass muss waagerecht liegen, bevor er funktioniert. Allerdings tut er das recht gut, und er liegt auch ausreichend plan, wenn man ihn einfach hinlegt.
garmin_oregon 300_016.png Im Geocaching-Profil zeigt sich der bl… gc.com-Frosch und einige Statistiken. Wie man sieht, habe ich den einen Cache, den ich damit offiziell gefunden habe, noch gar nicht geloggt (schande!).
garmin_oregon 300_040.png Wieso nur hat Garmin die wichtigste Einheit „Meter“ nicht am Anfang einsortiert? So muss man immer scrollen – schlecht!
garmin_oregon 300_035.png garmin_oregon 300_073.png Kleine Wegpunkt-Setzerei: Endlich geht auch die Wegpunkt-Projektion (aber wie! siehe nächstes Bild)
garmin_oregon 300_042.png Zweiter Fehler: Wieso kann man Entfernungen nicht eingeben wie im Taschenrechner, nämlich ohne führende Nullen? Es gibt keinen Grund für sie.
garmin_oregon 300_081.png Seezeichen inklusive. Ein nettes Gimmick
garmin_oregon 300_059.png Man muss ein wenig mit den Karteneinstellungen (in einem Extra-Menü) experimentieren, damit POIs aller Art – ob eigene oder die mitgelieferten – auch bei Karten mit großem Maßstab angezeigt werden. Im Grundzustand hat Garmin leider die ärgerliche Marotte übernommen, POIs nur in den kleinsten Anzeigemaßstäben anzuzeigen.
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16 Comments »

  • Lutz, DL3BZZ sagt:

    Hallo Michael, ich habe seit 3 Wochen auch den Oregano 300 ;-), bin damit zufrieden. Also bei meinen findet er die Position immer sehr schnell, dauert nach „Kaltstart“ am nächsten Tag keine Minute.
    Habe dem Display eine Schutzfolie gegönnt (schutzfolien24.de), damit spiegelt es nicht mehr so. Die Helligkeit habe ich auf die Hälfte eingestellt, nach 15 sek schaltet er dann ab. Und so geht es, im richtigen Winkel, auch auf dem Rad. Selten muss ich dann das Licht „anknipsen.
    Das mit den Bildern ist noch keine gut Lösung, aber dass die Cachebeschreibung mit dabei habe, ist super. Für mich ist die Schrift noch nicht zu klein. Aber man wird ja älter und da soll ja die Sehkraft abnehmen ;-).
    Der Oregon 400t soll ja die Topo EU drauf haben, Maßstab 1:10000. Ist bestimmt nicht schlecht, aber ob das zum cachen reicht? So spart man sich mit dem 300er die ca. 100 Euronen u. gibt sie u.a. für eine Landestopo aus.

    Bis denne
    Lutz, DL3BZZ

  • Kalle sagt:

    Moin Michael,
    da ich gestern Geburtstag hatte, möchte meine Frau mir etwas gutes gönnen. Zuerst hatte ich das Haribo in Erwägung gezogen, aber zu meinem 60csx sah ich keinen gerossen Unterschied. Nun interessiere ich mich für das Oregon 300. Ich finde die „optische“ Handhabung sehr gut und das ich hier auch die Beleuchtung verstellen kann. Da ich seit einem Jahr in Pension bin, rase ich nicht mehr wie bei der Hamburger Feuerwehr durch die Gegend. ALLES RUHIG, einfach Klasse ! Meine Frage nun, ob sich der Sprung lohnt ?

    Viele Grüsse
    lubeca
    Kalle

  • Lutz, DL3BZZ sagt:

    @Kalle,
    ich würde den Oregon dem Colorado vorziehen. Der Oregon ist handlicher, kein Rocknroll.
    Hole dir doch einen Oregon mal zum testen, dann kannst du ja vergleichen, welches dir besser gefällt, der 60er o. der Oregon.
    Viel Spaß weiterhin beim schönen Hobby.

    Lutz, DL3BZZ

  • Annett sagt:

    @Kalle
    Ich würde auch dem Oregon den Vorzug geben. Ich hatte in den letzten Wochen oft genug Gelegenheit, mich mit beiden Geräten zu beschäftigen. Die technischen Daten kannst du ja auf vielen Seiten nachlesen, für mich war primär die Bedienbarkeit entscheidend.

    Beim Oregon besticht die Handlichkeit und die einfache Bedienung durch den Touch Screen und die klare Benutzerführung, wo du immer weißt, wo du bist. Da ich beruflich Bedienungsanleitungen schreibe, weiß ich wovon ich spreche 😉 Das Gerät nimmst du einfach in die Hand und weißt sofort intuitiv, wie du es bedienen musst (auch ohne das Handbuch zu lesen, obwohl du das nicht vernachlässigen solltest *g*).

    Das Colorado ist ein ganz anderes Ding. Ich hatte es einige Male in der Hand und habe versucht, mich da durch zu wursteln. Ist nicht so einfach wie beim Oregon. Zudem fand ich die Bedienung durch dieses, ich nenne es „Gniddelrad“, ziemlich bescheiden. Es dauert einfach alles viel länger.

    Beiden Geräten gemein ist, dass du die Beschreibungen dabei hast. Das ist ein unschätzbarer Vorteil.

    Viele Grüße,
    Annett

  • ksmichel sagt:

    Was soll ich dazu noch sagen außer: *unterschreib*

  • Mic@ sagt:

    Allerdings sollte man auch erwähnen, daß Garmins Oregon
    anscheinend gpx-Daten aus oc heraus nicht verdaut:
    http://www.geoclub.de/viewtopic.php?f=52&t=27274
    Ob das beim kommenden nüvifone anders wird?
    Happy caching, Mic@

  • […] schon in der Hand, ksmichel hat einen (er sagt selber: keinen richtigen, was ich absolut anzweifle) Test veröffentlicht. Der sandmann hat nun seine Weihnachtswunschliste den Umständen […]

  • Frank sagt:

    Hallo,
    kann mir jemand erklären, wie ich mit dem Oregon 300 die Autonavigation durchführe.
    Als Karten habe ich Topo Deutschland v2 und WW Autoroute DEM Basemap NR.

  • ksmichel sagt:

    Hallo Frank,
    im Prinzip musst du die Karte sichtbar machen (in Karteneinstellungen den Haken bei der Basemap setzen) und dann beim Routing nicht den Luftlinienmodus wählen. Meines Erachtens kommt jedoch beim Routing mit der Basemap nichts Vernünftiges raus, weil deren Straßennetz zu ausgedünnt ist.
    ksmichel

  • Christian sagt:

    Wie schon vorher gesagt, die Basiskarte ist nicht wirklich gut. Und die Topo ist nicht routingfähig.

    Du könntest als Zugabe noch die OpenStreetMap aufspielen, die ist zwar je nach Kompilierung routingfähig, allerdings sind die nötigen Angabe dafür meist eher mangelhaft von den Usern eingegeben.

    Abgesehen davon, es ist gerade die Software-Version 2.60 fürs Oregon erschienen.
    Und… wie ich finde bringt es einige Verbesserungen. (z.B. das nervige Ändern der Koordinaten)

  • marmotte sagt:

    Nun hatte ich seit 8 Tagen Gelegenheit den Oregon 400t im Cacheeinsatz zu testen, und bin so begeistert, dass ich das Gerät wieder zurückschicken werde, um lieber weiterhin mein 60csx zu benutzen.

    Dabei ärgert mich in erster Linie das umständliche Handling mit den Wegpunkten. Lästigerweise gibt es nun 3 unterschiedliche WP-Menüs (Markieren, WP-Manager, und GoTo Menüs), bei deren Verwendung der Benutzer oft mehrfach kreuz und quer durch die verschiedenen Panels geschickt wird, bevor er endlich damit navigieren kann.

    Das erste Ärgernis ist das ‚Where To‘ Menü. Es ist nicht mehr möglich in der Nearest WP-Liste nach Symbol zu filtern. Man muss schon den WP-Namen kennen, und eingeben, um zum Ziel zu gelangen. Hat man dann endlich den WP, zu dem man navigieren will gefunden, vermisst man schmerzlich eine Auswahlmöglichkeit über die Art des Routings (Strasse oder Offroad). Will man zwischen Offroad und Strassenrouting wechseln, muss man erst über das Hauptmenü die Funktion Profile Change aufrufen, um die gewünschte Navigationsart auszuwählen. Besonders beim Cachen, wo man häufig zwischen Strasse und Offroad wechseln muss, eine nervende Angelegenheit. Ferner fehlt mir im ‚Where To‘ Menü die Möglichkeit schnell mal einen WP editieren zu können.

    Mark Waypoint, das zweite Ärgernis:
    Nachdem mit dieser Funktion neuer Wegpunkt erzeugt wurde, sucht man hier vergeblich die Möglichkeit, diesen per GoTo zum Routen auszuwählen.

    Waypoint Manager:
    Unter diesem Menüpunkt lassen sich Wegpunkte editieren. Einen Knopf den gerade bearbeiteten WP gleich zum Routen zu benutzen sucht man hier vergeblich. Es ist wie beim Mensch-Ärgere-dich-nicht: Zurück ins Hauptmenü und 6 würfeln.

    Nun zur vielgepriesenen Geocaching-Funktion. Mehr als die Beschreibungen auf das Gerät zu kippen, haben sich die Garmin Leute auch nicht einfallen lassen, und das mit einem ähnlich umständlichen Gehabe, wie oben bei den WPs beschrieben.

    Liebe Garmin Entwickler, ein Geocache ist nicht einfach nur ein Waypoint, sondern besteht aus einer Gruppe von mindestens 1 bis n WPs. Das ist ein kleiner aber entscheidener Unterschied. Im Geocaching-Modus würde ich gerne sehen, dass während dieses Cachegangs, z.B. neu angelegte WPs dem aktiv gewählten Cache auch zugeordnet werden -> GC4711-n, und das dennoch die Cachebeschreibungen im schnellen Zugriff sind, z.B. durch ein transparentes i-Icon in der Kartenansicht.

    Ich gebe ja die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages mal ein richtiges GPS-Gerät für den Geocacher auf den Markt kommt, bis dahin werde ich jedenfalls das Gerät wieder zurücksenden, und mich an meinem 60CSX erfreuen.

  • Charlotte sagt:

    Hey!
    Danke für deinen Testbericht!
    Vielleicht möchte ich mir den Oregon zum Geocachen zulegen, aber dazu habe ich noch eine Frage:
    Wird das Gerät nicht schnell dreckig, wenn man mit (vom Graben nach einem Cache) schmutzigen Fingern darauf herumtippt?

    • ksmichel sagt:

      Einige Tester haben das schon mal moniert, dass man die Oberfläche schnell zerkratzen kann, wenn man Sand, Steine etc. pp auf dem Display „verreibt“. Manche haben daher die üblichen Schutzfolien darüber geklebt. – mit entsprechender Verschlechterung des Ansprechens.

  • HarryO sagt:

    Hallo, ich bin totaler Anfänger bezüglich Outdoor-Navigation und möchte mir ein Oregon 300 kaufen. Hierzu benötige ich noch eine topografische Karte um selber Routen zu erstellen.
    Meine Frage: funktionieren hier auch die billigeren „Kompass Digitalkarten“? Oder gibt es hier wesentliche Einschnitte in der Funktionalität im Vergleich den Karten von Garmin?
    Wäre nett, wenn mir hier jemand weiterhelfen könnten. Danke
    mfg
    Harry

  • Anna Allen sagt:

    Oregano is a gread addition to everyday meals, i put them on soups and salads.*;-

  • Naja, vielleicht ein bisschen subjektiv, aber man kann doch nicht immer auch objektiv sein. 😉

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