Mrz
28
2008

Interview mit Lost-Place-Spezi "Hornesia"

Als wir neulich zu Ostern im Großraum Fürstenberg-Neustrelitz cachen waren, suchten wir uns dafür die tollen Lost-Place-Caches von Hornesia aus. Sie verlangen teilweise körperlich eine Menge, bieten an manchen Stationen endlos scheinende Versteckmöglichkeiten und bieten sehr eindrucksvolle Einblicke in die Zeit, als in vielen Kasernen russisches Leben herrschte. Ich nahm mir vor, Bert zu fragen, ob er für ein paar Fragen bereit steht. Und wie am Telefon, so war auch seine Antwort „rapido“ 😉 da. Hier das Interview:

Du bist als Hornesia verantwortlich für eine Menge Caches an interessanten Plätzen. Deinen ersten Cache hast du am 9. Juni 2007 gefunden, und es war gleich ein Hammercache mit 3,5/4,5er-Wertung auf einem ehemaligen Militärgelände („Weltmeer 74 -Stufe II“, GC11Y7F. Hat der dich dazu gebracht, Dosen am liebsten an Plätzen mit Vergangenheit zu legen?

Hornesia: Hier war ich eigentlich nur Gastcacher und nach dieser Runde wußte ich, das ist genau mein Ding. Verlassene Plätze habe ich auch vor der neuen Leidenschaft gern aufgesucht.

Die meisten deiner Caches haben diese historische Dimension. Woher weißt du
von den Plätzen, an denen du Caches versteckst?

Ich „fliege“ viel mit Google Earth durch die Landschaft und entdecke dabei die eine oder andere Sache. Auch die Internetseite hidden-places ist bei meinen Recherchen sehr hilfreich.

Wie gehst du vor, wenn du einen solchen Cache legst? Ich meine: Besuchst du die Lokation mehrmals, und wie wählst du die Verstecke aus?

In der Regel reicht ein Besuch aus. Das Gelände wird eingehend untersucht und mögliche Stationen werden ausgelotet. Wenn ein geeigneter Platz für das Finale gefunden wurde, dann beginnt die Stationsauswahl rückwärts bis zum Startpunkt. Verstecke sollten auf einem Lost Place immer fair sein. Kleine sportliche Einlagen sind immer willkommen.

Wie sollen sich Leute vorbereiten, die sich auf die Suche nach deinen Caches machen?

Eine spezielle Vorbereitung ist hier nicht nötig. Man sollte aber wissen wie man sich auf einem Lost Place zu bewegen hat und welche Grundausrüstung erforderlich ist. Eine gewisse körperliche Fitness kann nicht schaden.

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Manche Cacher sehen einen Lost Place als Abenteuerspielplatz, andere als
Museum. Wie siehst du es?

Schützenswerte Objekte sollten in Ruhe gelassen werden. Alte Industriebrachen, militärische Hinterlassenschaften und sonstige dem Verfall ausgelieferte Objekte sind als Abenteuerspielplatz sehr wohl geeignet.

Einer deiner Lieblings-Ausdrücke in deinen Cachebeschreibungen ist ja die Fügung „Klare Aufgabe“. Ich gebe es zu: So ganz klar war mir nicht immer, was zu tun ist. Aus zuverlässigen Quellen habe ich gehört, dass die meisten Cacher dich an irgendwelchen Stationen kontaktieren müssen, um weiterzukommen. Stört dich das?

Nein, ich helfe sehr gern weiter und meistens plauscht man noch ein wenig mehr. Bis jetzt haben auch nur Leute angerufen die wirklich Hilfe brauchten. Der von mir oft verwendete Hint „Klare Aufgabe“ ist auch so gemeint. Wenn die Koordinaten zu einem Industrieschornstein führen, sollte eigentlich klar sein was zu machen ist. Der Schornstein ist nur ein Beispiel, es gibt natürlich auch Objekte da ist es nicht ganz so klar was der Owner jetzt meint. Ein kleiner Tipp: einfach suchen

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Mancher Lost Place ist, streng genommen, verbotenes Gelände, damit eigentlich für Caches tabu. Sollen deiner Meinung nach Caches auf solchen Plätzen generell erlaubt sein?

Die Sache ist recht grenzwertig, jeder sollte eigenverantwortlich handeln und wissen was er macht. Mehr möchte ich nicht sagen.

Nun cacht du ja auch selbst, hast jetzt – nach einem Dreivierteljahr – schon fast 1000 Dosen gefunden. Das ist eine ganze Menge. Ich habe gesehen, dass auch 1/1er darunter sind und du auch zusammen mit anderen Cachern unterwegs bist. Wonach suchst du die Caches für deine Such-Runden aus?

Sie sollten in der Natur sein und eine gesunde Mischung darstellen. Nur Tradis zu jagen und Punkte zu sammeln ist nicht unbedingt die Erfüllung.

Welche Caches hast du selbst am liebsten gemacht?

Der „Heilige Geogral“ GC11TH9 von meinem Freund Anfall 2005 ist einfach nur der Hammer. Eine klasse Location und eine prima Geschichte. Sehr zu empfehlen ist auch „Erich`s Air Escape“ GC17RZD. Die einzelnen Stationen sind sehr gut ausgearbeitet und fordern ein hohes Maß an Beharrlichkeit beim Suchen.

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Du hast bislang 45 Caches gelegt. Welche deiner eigenen Caches möchtest du uns besonders ans Herz legen?

Die „Stadt im Wald“ GC17K3A und „Zimmer mit Aussicht“ GC1A759 zeigen sehr beeindruckend das Leben unserer ehemaligen Besatzer. Der Bounscache zur „Alten Kommandantur“ GC18DEY ist eine der besten Anlagen die ich gesehen habe.

Du schreibst in deinem Profil, dass du sofort nach dem ersten Cache deine anderen Interessen und Hobbys über Bord geworfen hast. Ehrlich? Was macht für dich den Reiz des Geocachings aus?

Immer unterwegs zu sein, neue Dinge zu entdecken und die Natur genießen. Alte Hinterlassenschaften aufzuspüren und dort selbst einen Multi zu legen ist für mich das schönste. Auch meinen Freundeskreis konnte ich durch das neue Hobby erweitern.

Deine und natürlich auch andere gute Caches wirken sich bereits ein wenig als Tourismus-Faktor aus, weil sie auch ortsfremde Cacher anziehen, die natürlich auch irgendwo übernachten müssen. Wie weit würdest du selbst für einen guten Cache fahren?

Bis zu 250 km würde ich ohne Probleme fahren.

Magst du uns noch etwas zu deiner Person sagen?

Einige denken „hornesia“ ist weiblich, der Name klingt angeblich so. Ich heiße Bert und bin 45 Jahre. Hornesia ist die Bezeichnung einer Muschel aus der Triaszeit (Muschelkalk). Vor dem Geocaching war das sammeln von Fossilien eine von vielen Leidenschaften.

Vielen Dank; Bert!

(Foto oben von Bert, die anderen von mir)

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