Feb
03
2010
11

Wohlmeinende Tipps von Garmin und Wandersmännern

p1000598 … sollen marodierenden Geocachern im Wald Benehmen beibringen. Ich stehe achselzuckend vor der rührenden Banalität der "Tipps". Die vom Deutschen Wanderverband und Garmin gemeinsam vertretenen "Hinweise" sind indes keine wirklich neuen Maßregeln und bergen auch keine Folterinstrumente zu deren Durchsetzung: Dass man abseits der Wege in Naturschutzgebieten nichts versteckt versteht sich ebenso von selbst wie das Beachten von Brutzeiten. Jeder, der im Wald unterwegs ist, kennt das und beachtet das.

Mich stört, dass die Hinweise implizieren, dass sich Geocacher im Wald im allgemeinen benehmen wie die Axt im selbigen. Und ganz tief in mich hinein horchend, frage ich mich: Stimmt das vielleicht? Sicher nicht, so lange ich mich in der Natur so bewege, dass ich meinen "Fußabdruck" möglichst klein halte. Alle, die schon länger cachen, haben in diesen Dingen eine Lernkurve durchgemacht, die sie letztlich wieder zum Kiss-Prinzip bringt: "Keep it simple, stupid!" Statt Masse und High-Tech lieber einen schönen Wandermulti, bei dem es letztlich egal ist, ob man den Cache überhaupt findet oder ob man ihn gar im Internet loggt. Also das alte Prinzip "der Weg ist das Ziel". Nicht der Statistikpunkt. Punkt.

Dass derartige "Verhaltenshinweise" aber von außen kommen, wurmt mich. Denn sie kommen von den falschen Leuten: Garmin selbst etwa musste noch vor kurzem in die Grundzüge unserer Freizeitbeschäftigung eingeführt werden, manche fragen sich, ob das jetzt schon gelungen sein könnte. Und der Wanderverband als "Papa" der Deutschen Wanderjugend? Der ist den grundsätzlich allen vereinsmäßigen Aktivitäten abhold gegenüberstehenden Geocachern immer schon latent suspekt gewesen, trotz allem Bemühen um die Cacher.

Und frage mich nach den wirklichen Beweggründen für die gemeinsame Aktion. Fürchtet Garmin, dass Geocaching vielleicht ob der organisiert-herbeigeschriebenen Jäger-Proteste so reglementiert wird, dass letztlich Geocacher als Kunden für GPS-Geräte ausfallen. Oder bastelt Garmin – wie die Dosenfischer im Podcast 105 vermuteten – gar am Green-Image? Und was bewegt den Deutschen Wanderverband, sich zu einer Sache zu äußern, von der er bislang gar keine Notiz nahm? Und wie nimmt er Stellung zu anderen Waldbetretern, die auch im weitesten Sinne wandern? Etwa Pilzsammlern oder Kräuterhexen?

Wenn Garmin & co. wirklich am Fortbestand des Geocachings interessiert wäre, dann sollte die Firma sich eher darauf beschränken, ihr Geräte noch weiter zu verbessern (auch wenn sich da tatsächlich viel Positives tat und noch tut). Und wir Geocacher? Dass es welche gibt, die sich an keine Regeln halten wird mit steigender Zahl der Cacher einfach Manifestation der Statistik. Kann man nix machen. Aber viele der Neucacher müssen gute Beispiele vorgelebt bekommen. Auch angesichts der Flut an geballtem wirklichem Irrsinn wie Need Maintenance-Logs wegen stumpfer Stifte. Dabei mag man mir und anderen Arroganz gegenüber Neucachern unterstellen, doch das ist es nicht: Keinem sei das Durchlaufen der Lernkurve verwehrt, so lange sie immerhin nach oben führt.

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Aug
31
2009
34

No Press please? Das funktioniert nicht

Aasgeier haben sie. Politiker auch, und erst recht Promis, die sich nicht so gerne ins Privatleben gucken lassen. Und seit jüngster Zeit auch Geocacher. Die Rede ist von schlechter Presse. Ärgerlich. Ja. Jetzt sehen einige Geocacher die Lösung in einer Totalverweigerung gegenüber den Medien. Ich sage: Das bringt so viel wie alle Formen der Totalverweigerungs-Lösungen: nichts.

Was wird passieren? Wer ein Thema nicht selbst besetzt, muss nicht glauben, dass es deswegen in den Medien nicht stattfindet. So funktionieren die Medien nicht, auch wenn man das nicht gut findet. Wenn etwa Geocacher die Öffentlichkeit nicht über ihr Tun informieren, dann bleiben sie ihr grundsätzlich eher suspekt („Wat de Bur nich kennt, dat fret hei nich!“). Als Muggel möchte man dann dem Jäger zuzustimmen, der gegenüber Geocachern im Wald bei der Presse Front macht. Für Geocacher schlecht, denn in dieser Situation muss schon der Pressemann selbst darauf kommen, dass es durchaus gewisse Rechte für Personen gibt, den Wald zu betreten, auch abseits von Wegen. Unwahrscheinlich, dass das klappt. Da ist es schon besser, wenn auch der Geocacher für sein eigenes Interesse Lobby-Arbeit betreibt.

Nehmen wir dazu also an, dass die bekannten und daher womöglich besonders häufig gefragten Geocacher keine Auskunft mehr geben. Ist deswegen für den Pressemenschen das Thema gestorben? Nö, es gibt doch ein paar Zehntausend Geocacher – irgendeiner macht’s dann eben doch, und das wird dann auch mal der Newbie mit 6 Dosen sein. Rechnet euch aus, ob solch ein Vertreter genau wissen kann, was er sagt. Abgesehen davon: Es wird immer die Deutsche Wanderjugend (DWJ) geben, die sich dann zu Wort meldet. Wollt ihr das? Wollt ihr, dass die DWJ für alle spricht? Ich kann mir das nicht vorstellen.

Drittens: Pressearbeit einstellen, damit keine neuen Cacher mehr kommen ist so wirkungsvoll wie einen Dammbruch mit Fensterkitt abdichten zu wollen. Die Presse selbst produziert nämlich nicht annähernd so viele Geocacher wie die Geocacher selbst mit Ihren Erzählungen gegenüber den Bekannten und Freunden. Meistens läuft es doch so: Man erzählt dem Freund, was man tut, damit man nicht als armer Irrer dasteht, und dann „gelingt“ in 50 Prozent der Fälle schon die Infektion. Dann noch ein bisschen Mathematik, und schon haben wir die Exponentialkurve als hässlich besungene Cacher-Schwemme.

Was also tun?

Wir können als Geocacher nicht bestimmen, ob über uns berichtet wird. Der Zug ist abgefahren, denn dass es uns gibt, ist kein Geheimnis mehr und es wird es auch nicht wieder werden. Sicherlich mag man räsonieren, ob es nicht besser gewesen wäre, von vornherein immer im Konspirativen gehandelt zu haben. Aber das haben wir nicht – und ich auch nicht.

Wir sind also bekannt in der großen Welt da draußen. Und unsere Interessen stehen bisweilen auch denen anderer Menschen im Weg. Es ist ihr gutes Recht, sich darüber zu beschweren und  zu versuchen, die öffentliche Meinung hinter sich zu bringen. Auch durch Medienarbeit.

Daher bleibt uns kaum eine Wahl, bei Buhlen um die Gunst der Öffentlichkeit mitzumachen. Auch wenn es manchmal in die Hose geht, so können wir doch durch eine sorgfältige Beteiligung an der Medienarbeit eine Lobbyarbeit von Jägern, Förstern etc. pp. gegen uns erschweren.

Als Medienmensch kann ich daher – auch aus vielen Erfahrungen in anderen Bereichen – nur empfehlen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, denn dann wird nur über den (sichtbaren) Arsch berichtet. In den man dann auch gern mal getreten wird, weil der Kopf die Gefahr nicht mehr wahrnehmen kann.

Damit ihr mich recht versteht: Wer sich in Medienhände begibt, muss die Tricks der Medienprofis kennen, hier und da auch klar „NEIN“ sagen und es auch mal auf einen Abbruch eines Drehs etc. pp. ankommen lassen.

  • Wenn es um eine Suchbegleitung geht: Dann verlegt das Versteck dafür – dann sind auch Spoiler egal.
  • Überlegt, ob ein toller Cache womöglich von der Öffentlichkeit ganz anders interpretiert werden kann.
  • Quatscht nicht mit losem Mundwerk, sondern macht einen Plan von Dingen, die ihr auf jeden Fall sagen wollt.
  • Nicht jeder Cache ist mediengeeignet. Benutzt den Computer zwischen euren Ohren für die Auswahl.
  • Überlegt, ob das, was ihr sagt, auch falsch verstanden werden kann und fragt nach, was der Medienmensch verstanden hat. Dann könnt ihr ihn korrigieren.
  • Und will er partout in eine bestimmte ideologische Richtung, dann brecht die Sache ab.
  • Schärft dem Medienmenschen ein, dass bestimmte Dinge gibt, die nicht genannt werden dürfen. Das ist so wichtig wie der Informantenschutz seiner Zunft.
  • Seht nicht euch im Vordergrund, sondern die Wirkungen, die das Medienstück haben kann und wird: Wer im Flecktarn mit Vollausstattung zum Waldspaziergang (T2) erscheint, macht sich nicht nur selbst lächerlich, sondern auch die Geocacher an sich!

Und trotz aller Vorsicht wird es vorkommen (und leider zu oft!), dass man mit dem Ergebnis als Geocacher nicht glücklich ist. Bitte setzt euch dann auch die Muggel-Brille auf: Ist es wirklich so schlimm, wenn im Artikel TB und Coins verwechselt werden? Konkret zur dpa-Aktion: Es ist absolut absehbar gewesen, was dort passiert ist. Der Multiplikator (dpa) hatte seine Meinung schon, die ersten drucken’s nach. Die anderen sehen, dass es wohl ein Thema ist, das läuft. Sie springen auf den Zug auf. Und schon hypt das Ding. Analytisch betrachtet hat der dpa-Mensch hier Lobbys gesehen, die Naturschützer-Lobby und die Naturbenutzer-Lobby. Zynisch, aber wahr: Sich auf die Seite der Naturschützer zu schlagen bringt immer mehr Sympathien ein.

Jul
29
2009
21

Was Flash-Mobs, Twitter und SBAs miteinander zu tun haben

Ich kann mir nicht helfen: Ich habe den Eindruck, dass die Angriffe auf das Hobby Geocaching immer massiver werden und das Dosensuchen bis zur Unkenntlichkeit deformieren. Das ist zwar allgemeines Lamento nach Art des „Früher-war-alles-besser“ – in der Zeit, als die Satelliten noch aus Holz waren und mit einer Zwille in die Umlaufbahn geschossen wurden. Das ist aber jetzt nicht gemaint. Auch nigt, das es immä mär Locks und Keschs mid 0-Euro-Rächtschraibunk giebt.

Mir geht’s um die Verrottung des Geocachings von innen. Also: Was wir selbst tun, um uns den Spaß zu verderben. Dazu gehört für mich auch das Zulassen von miesen Caches. Die entspannte Sichtweise wäre: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. In Verbindung mit: Man muss ja nicht jeden Cache machen. Stimmt.

Aber nun muss man ja offenbar schon massiv auftreten, damit mal einer überhaupt ETWAS merkt. So wie beim GPS-Event, das mit Müh und Not nur dank 99 SBA-Logs durch eine weitgehend entschärfte Version ersetzt wurde. Hier haben das grüne Forum und Twitter eine wichtige Rolle gespielt, so dass diese flash-mob-artige SBA-Welle überhaupt in Gang kam.

Schon in den Logs dazu kam immer wieder auch die Frage auf, wie es denn passieren kann, dass ein Cache, der offensichtlich den Guidelines zuwiderläuft, trotzdem freigeschaltet werden kann, während bei anderen Caches offenbar nicht nur das Metermaß, sondern auch die Mikrometerschraube zur Abwehr eines Caches bemüht werden.

Und nun hat Stefan von den Cyberberrys auf einen krassen Fall aufmerksam gemacht: Einen Cache, der kreuz und quer durch ein (gar nicht so) schwedisches (sondern niederländisches) Möbelhaus führt. Mystphi fand sofort die Stelle der Guidelines, die genau solche Caches ablehnt (Hervorhebung durch mich):

Gewerbliche Caches

Gewerbliche Caches werden ohne vorherige Genehmigung durch Groundspeak nicht veröffentlicht. Als gewerblich gelten Geocache-Listings oder Geocaches, die bei Groundspeak, Groundspeaks Angestellten oder den ehrenamtlichen Reviewern den Eindruck erwecken, vor allem oder unter anderem eingereicht worden zu sein, um Kunden zu werben oder Gewinn zu erzielen. Ein Geocache gilt als gewerblich, wenn der Suchende ein Geschäft betreten, mit Angestellten interagieren und/oder ein Produkt oder eine Dienstleistung erwerben muss oder wenn das Cache-Listing Züge von Reklame, Marketing oder Werbung aufweist.

Bis jetzt hat der Cache GC1WBD9 3 SBA-Logs (eins von mir) und ein weiteres durch eine pflanzliche oder anorganische Spezies (vulgo: Sockenpuppe). Ich hoffe, dass hier reagiert wird, zumal der Ton (bislang) noch nicht persönlich und verletztend ist – was auch, bitteschön, so bleiben sollte. Hier kann man sich einfach auf die Sachebene zurückziehen, und es ist keine Frage, ob einem der Cache gefällt oder nicht.

Woran liegt es denn, dass es solche Aktionen geben muss? Vielleicht daran, dass die entsprechenden Einträge in den Rubriken „Caches, die falsch gelistet sind“ im grünen und blauen Forum nicht mehr beachtet werden? Müssen wir wirklich zur Brechstange greifen und via Twitter oder Forum zu massenhaftem SBA aufrufen, weil ein zartes Klopfen gar nicht weiter beachtet wird?

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Jul
22
2009
19

Garmin zieht die Notbremse beim GPS-Festival

Ich habe in den letzten Tagen viel mit Garmin gesprochen, zunächst mit deren Agentur für Outdoor-Geräte, dann rief noch Tom Mühlmann (Manager Marketing Garmin Deutschland) an, und fragte, was ich denn vorschlagen würde. „Das Listing abräumen, alle Verweise auf kostenpflichtige Veranstaltungen entsorgen, stattdessen Service vor Ort bieten und den Cachern mal zuhören, wenn sie Dinge über ihre Geräte sagen. Entweder über das, was nicht funktioniert oder darüber, was sie sich wünschen.“

Ich kann aus den Telefonaten eigentlich nur den Eindruck wiedergeben, dass es Garmin leid tut, wie es gelaufen ist, und dass Garmin Deutschland unbedingt auch draus lernen will. Ich fürchte, der grundsätzliche Fehler lag schon darin begraben, dass sich Garmin entschied, eine Agentur, die sich mit Sportmarketing befasst, für die Organisation einer solchen Veranstaltung einzusetzen. Denn Geocacher sind keine Sportler. Nicht nur jedenfalls.

Sportfaktor plante das GPS-Festival dann auch nicht als Festival für eine irgendwie vernetzte Gruppe mit höchst heterogenen Einzelinteressen, sondern versuchte, den Geocachern eine Art kommerzielles Extremsport-Event unterzujubeln, mit angehängten Messen für alle, die daran verdienen wollen. Konnte nicht gut gehen, und der Unwille gegen eine solche Leistungsschau war nicht nur in meinem Blog früh ablesbar. Die Stimmung kippte vollends, als Kernbestandteile des Events plötzlich etwas kosten sollten. Nicht, dass Geocacher nichts zahlen würden, aber: So dreist abmelken mögen sich die meisten dann doch nicht. Das ist wie eine Einladung zum Kaffee, bei der man erst während der Anfahrt mitgeteilt bekommt, dass zwar der Zutritt nichts kostet, aber der Kaffee und Kuchen sehr wohl, und dass Sitzgelegenheiten zu mieten seien.

Nun war ich ganz erstaunt: Garmin hat vielen Cachern – nicht nur mir – zugehört, mit vielen geredet, und es war bestimmt ein langer Arbeitstag, als gegen 21.20 Uhr die Garmin-Mea-Culpa-Erklärung eintrudelte. Mit dem Abräumen des Listings zeigt sich nun: Garmin vollzieht die Notbremse, Sportfaktor hat wohl abgewirtschaftet, und die nun nur noch auf der gps-festival-Seite vorhandenen „teuren“ Programmpunkte werden wohl zur Bedeutungslosigkeit degradiert sein.

Die Community hat gesiegt, nun sollte sie Großmut zeigen und Garmin eine – allerletzte – Chance geben.

Jun
11
2009
8

Bremen und: Leistungscaching beim GPS-Festival in Essen

Garmin hat bekanntlich gemerkt, dass es Geocacher gibt und dass die viel für den Absatz ihrer ich-bin-hier-Geräte tun, schon allein, weil die ich-will-dahin-Geräte immer billiger werden und die Margen dafür sinken. Aber was Geocaching ist, und wie die Leute gestrickt sind, die das machen, da tastet sich Garmin Deutschland erst langsam heran. Zurzeit laufen die ersten Versuche an lebenden Cachern:

Mega-Event Bremen:

DSCN1242 Mangelndes Einfühlungsvermögen in die Cacherseele mochte ich der Garmin-Standbesatzung beim G.A.M.E-Megaevent in Bremen unterstellen. Okay: Die Geocacher haben sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Erschütternd: Statt sich fröhlich durch die Masse der Bekannten durchzuquatschen, stellten sich viele einfach mal an den diversen Schlangen an, an deren vorderen Ende es etwas umsonst gab: Wertvolle Gaben, etwa fast durchsichtige T-Shirts oder kastrierte TBs (dazu noch mehr!). An Ständen, die viel mehr Zuspruch verdient hätten, herrschte hingegen keine Platznot, so zum Beispiel da, wo’s Erdbeeren (nicht umsonst) gab. Aber Erdbeeren sind sowieso ein todsicherer ksmichel-Köder, da kann ich nicht vorbei.

DSCN1243Antizyklisch spät kommen, war hingegen unsere Devise, der FTF war eh schon weg 😉

Doch was gab’s bei Garmin am Stand: Angeblich Leihgeräte und Beratung. Nur, dass jeder, der was wissen wollte, wohl besser informiert war als die Standbesatzung. Nachdem mich einige darauf angesprochen hatten, wie gruselig es dort zuging, habe ich dann auch mal Mäuschen gespielt. Da gab es einen Cacher, der wissen wollte, ob er auch zwei verschiedene Kartenarten, also Topo und Straßenkarten, auf seinem 60er unterbringen kann (ja). Die Antwort: „Ich glaube nicht, aber rufen Sie mal bei Garmin an.“ Ein anderer wollte wissen, welches günstige Gerät Garmin zum Cachen empfehlen kann. Die Empfehlung war das derzeit teuerste Gerät, das Colorado 400 („Weil es am besten ausgestattet ist“). Dabei vergaß der gute Mann aber zu erwähnen, dass man sinnvollerweise auch noch eine Karte zukaufen sollte.

Und so ging’s weiter. Die verschenkten TBs waren, wie bekannt, ja eine reine Werbeveranstaltung für das GPS-Festival in Essen. Will sagen: Nach dem Event ist der übrigens deutschsprachig beschriftete TB sinnlos. Er wird übrigens ohne das sonst übliche Doppel geliefert und hat nur ein winziges Kettchen (spart wohl ein paar Cents).

Liebe Garmin-Leute: Die Tracking-Nummern werden üblicherweise pro „Tag“ nur einmal vergeben, und jeder Cacher hat natürlich sofort herausgefunden, dass die verschenkten TBs oft die gleichen Tracking-Nummern hatten. Sieh und lerne! Statt „Danke, Garmin!“ kommt nun Häme von den Rängen. Und der Eindruck drängt sich auf, dass Garmin bei etwas mitspielt, von dem es nur die Hälfte verstanden hat. Wozu jeder Nutzer der Geräte wohl mühelos Dinge beisteuern kann, die er gerne besser umgesetzt sähe.

GPS-Festival

Wie landauf, landab schon gemeldet, steigt am 19./20. September in Essen ein großes „Garmin GPS-Festival“. Garmin hat dazu schon eine Pressemitteilung verschickt. Die Programmpunkte enthalten auch diesen:

    * Garmin Geocaching-Masters: Bei dem Wettbewerb ermitteln die besten Geocacher den König der Schatzsucher.

Ich sag nur: Den Wettbewerb kann man sich sparen, denn das bin natürlich ich. Normalerweise schreite ich bei Events immer im vollen Ornat die Schar der Unterthanen ab und werfe huldvoll mal den einen oder anderen Wegpunkt in den Pöbel, bis ich die aus goldplattierten Klettergeschirren gefertigte Sänfte besteige und mich zum nächsten Tradi tragen lasse. #größenwahn

Im Ernst: Vor Leistungscache-Schauen hat es mir immer gegraust. Waren die Stadtmeisterschaften schon eine von Jahr zu Jahr eskalierende Leistungscaching-Sache, so mag ich lieber nicht wissen, wie sich a) die „besten“ Geocacher definieren und b) welche Vergünstigungen man dann tatsächlich als König hat.

Geocaching war nie und darf nie ein Leistungssport werden. Da hat der Veranstalter (bezeichnenderweise heißt er Sportfaktor) wohl mal ganz einfach daneben gelangt. Interessant noch dieses Zitat der PM:

Bei der gpsCON: […]:

Experten aus Tourismus, Marketing und Sport zeigen die Einsatzmöglichkeiten der GPSTechnologie und diskutieren Zukunftsthemen.

Könnte man – etwas ätzig – auch übersetzen mit:

Schlepper aus allen Branchen überlegen, wie sie daran verdienen können, dass GPS-Geraffel immer billiger wird.

Sehr beredt dann auch dieses marketingschwurblerische Zitat von Sportfaktor-Geschäftsführer Matthias Höfer (Hervorhebungen durch mich):

„Die GPS-Technologie wird in den kommenden Jahren
immer mehr Anwendungsmöglichkeiten bieten. Mit dem Garmin
GPS-Festival auf Zollverein geben wir der Szene mit den Freaks
ebenso eine ‚neue Heimat’
wie den Event-Neulingen einen
perfekten Einstieg zum Thema. […]

Wir sind also heimatlos und können uns daher freuen, wenn uns jemand eine Neue Heimat verpasst? Ach nö – schon vor 25 Jahren hatte die Neue Heimat keinen guten Klang. Und welcher Cacher sieht sich schon als „Freak“ (aus dem Englischen, heißt unter anderem: „Krüppel, Verrückter, merkwürdiger Mensch“). Na, danke.

Und sonst?

Richtig gut hat mir hingegen die Garmin-Broschüre zum Thema Geocaching gefallen, die ich in einer Vorabversion schon mal sehen durfte. Da hatte ich dann endlich mal das Gefühl: Ja, der Groschen ist ENDLICH gefallen. 

Ich wünsche mir vorn Garmin ein Verhalten, dass schon eher in Richtung gemeinsamer Produktentwicklung läuft, mindestens aber die Benutzer auf gleicher Augenhöhe anspricht. Indes: Vieles ist auf einem guten Weg, seitdem es Garmin Deutschland gibt und die unsäglichen Service-Arien von früher endlich vorbei sind.

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Mrz
30
2009
13

Hier lischt krass Dose, Alder

Ein netter Hinweis eines befreundeten Cachers stupste meine Nase auf den Cache Sparkasse Eidelstedt. Alle nachfolgenden Bemerkungen beziehen sich auf NICHT-Muttersprachler. Wer als Ausländer Deutsch lernen musste, ist selbstverständlich dispensiert – unsere Sprache ist nunmal sehr, sehr schwierig. Auch gelegentliche Rechtschreib- und Formulierfehler finde ich nicht schlimm – schließlich sind wir Menschen, machen also Fehler. Was mich aber – wie mein Informant weiß – aufregt: Lieblose Caches mit liebloser Beschreibung an banalen Orten ohne jegliche Inspiration.

Die oben genannte Cachebeschreibung beginnt mit einer opulenten Eröffnung – damit jeder weiß, was ihn erwartet:

Bei den Baenker in Eidelstedt.

Übersetzt: Dose einfach irgendwo hingeworfen

Sofort erfahren wir etwas über die Motivation des Legers, dort eine Dose zu legen:

Ich Laufe ständig an dieser Location vorbei zur Arbeit und habe dieses Lüftungsschacht gesehen und wurde mir auserkoren für den Cach.

Übersetzt: Prima: Hundepisse und dreckig.

Sodann gibt es Tipps in Hülle und Fülle, wie dieser Cache zu bergen ist:

Seit Vorsichtig Alltags ist es recht Muggelig.
Lasst euch was einfallen und seit unauffällig, wenn ihr bergt.

Übersetzt: Bald weg, weil niemand auf solche Hinweise Rücksicht nimmt.

Nach einer Änderung noch mal ein paar detailliertere Anweisungen:

Habe das ausprobiert und es geht, wenn sie eingeklemmt ist leicht, faellt die nicht auf dem Boden!
Nimmt euch etwas Zeit den Chach auch so wieder zurueck zu tun wie er war!

Übersetzt: Liegt spätestens nach dem sechsten Cacher unten.

Der Owner hat 18 Caches gefunden, ist seit 2. März angemeldet. Selbst das wichtigste Wort, also das, worum es uns alle zentral geht, schreibt er falsch: Cache findet sich mal als „Cach“, dann wieder als „Chach“. Mal so, mal so.

Ich will keine Deutschtümelei beim Cachen, aber: Es wäre möglich gewesen, dass sich jemand mal anschaut, was da steht. Selbst eine Microsoft-Korrektur würde viele Fehler finden. Und mit Marotten wie fehlenden Umlautzeichen (ä, ö, ü) muss man das Lesen nicht absichtlich schwerer machen.

Aber: Ich wünsche mir im Sinne einer nicht ganz ins Bodenlose abrutschenden Cache-Qualität eine „coachende“ Empfehlung des Reviewers. Und eigentlich sogar von den suchenden Kollegen.

Vielleicht bin ich ja nur empfindlich, aber will denn wirklich jeder nur den raschen Punkt? Will sich niemand mehr darauf einlassen, die neuen Künstler sanft und angemessen „einzunorden“?

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Mrz
23
2009
7

Gezwitscher und das nachfolgende Gekrächz

Aus harmlosem Gezwitscher entwickelte sich am Wochenende heftiges Gekrächz. Es gibt offenbar in der Blogosphäre einen Frust der Macher und einen Frust der Leser, zu lesen auf der Seite der Dosenfischer. Das hat mich sehr berührt – daher meine Zeilen.

Im Grunde geht es darum, ob es zulässig ist, dass ein Außenstehender in ein Blog hineinregiert, etwa wie jetzt dadurch, dass Moenk die Dosenfischer bittet, Twitter-Meldungen aus den Feeds herauszuhalten. Damit sie nicht im Newsaggregator auflaufen. 19 Geoclub-Nutzer hatten sich in einer – allerdings sehr kurz laufenden Umfrage – dagegen ausgesprochen. Die Dosenfischer baten daraufhin darum, aus dem Newsaggregator entfernt zu werden. Daraufhin entspann sich eine Diskussion im Kommentar zu dieser Meldung.

Keine Einzelmeinung ist das Gefühl eines Information-Overkills und – daraus abgeleitet – der Wunsch nach Filterung, Kanalisation und letztlich einer Art Qualitätssicherung. Da nun wiederum streiken einige Blogbetreiber und fragen ganz offen: Für wen mache ich das eigentlich? Also: Ist das Blog für den Leser da oder für den Macher?

Meine Meinung: Für beide. Wieso? Weiterlesen …

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Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Dez
31
2008
8

Social Engineering

Da soll noch jemand sagen, Geocacher sind lichtscheu, mögen die Heimlichkeit und hassen Vorsager. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass alle möglichen Leute, denen ich das nie selbst erzählt habe, wussten, dass ich drei Wochen in Ägypten zum Tauchen war (daher kein Blog-Eintrag – das ungehütete Heim muss man Dieben ja nicht auf die Nase binden 😉 ). Nein, auch beim Cachen blüht der Tratsch das gesunde Interesse an Dingen.

Habt ihr euch nicht schon gewundert, wie seltsam die Finde-Daten bei besonders schwierigen Caches verlaufen? Erst beißen sich tage- oder wochenlang die Cacher die Zähne daran aus, vielleicht gibt’s Notes oder sogar DNFs auf der entsprechenden Seite. Dann der FTF. Der armen Sau Dem glücklichen Finder läuft sofort das E-Mail-Postfach über, was er gottlob nicht bemerkt, weil er plötzlich sehr viel Anrufe von guten Cacherfreunden bekommt. Nein, nach einem Hint wird dabei nicht gleich gefragt, aber man wollte sich ja immer schon mal wieder melden und „einfach so quatschen“.

Schon bald kommt der nächste Find. Dem wird ähnlich viel Aufmerksamkeit zuteil. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Haufenweise fallen Cacher am Ort der Dose ein, lassen sich – vollgestopft mit Vorab-Infos – an der kurzen Leine zum Cache führen. Das Log ist so sicher wie die Gewichtszunahme nach dem weihnachtlichem Marzipankartoffel-Missbrauch.

Besonders auffällig wird dieses Spiel in Beelitz, etwa am Bonus. Bis zur Umgestaltung gab es immer wieder mal längere Strecken, in denen mal 25 Cacher, mal 22 und sogar einmal 58 Dosensucher hintereinander den Cache gefunden haben. Auch nach der ersten Verlegung des Finals im Juni brach die Serie kaum ab. Dann kam die große Umgestaltung am 1. Oktober. Und sofort hagelte es 9 DNFs hintereinander! Ein paar Finds später noch einmal 5 DNFs, da sank die Gesamt-Erfolgsaussicht auf nur noch 89 Prozent. Dabei hatten doch bestimmt alle das „All-Inclusive-Paket“ mit garantierten Funden bestellt! Und nun doch unerwartete Erfolglosigkeit – und das vor allen Mitlesern der Watchlist! Man möchte vor Scham im Boden versinken. Wie kömmet diese Erfolglosigkeitswelle? Sind etwa schon zu viele der schon dagewesenen üblichen Verdächtigen nach der Umgestaltung des Caches als Telefonjoker unbrauchbar geworden?

Oder nehmen wir einen Lost Place namens Tarnname Totschka.  Da morsen Dosenspechte von den Barackendächern, dass sich wohl einige das lästige zeitraubende Suchen von Stationen gleich gespart haben, sich per Telefonjoker die Final-Koordinaten besorgt haben und dann nur noch zu einer speziellen Sehenswürdigkeit des Geländes gegangen sind. Mööönsch, das macht man ja höchstens bei schlecht gemachten 0815-Abzählcaches irgendwo im Nirgendwo (und erzählt’s dann keinem!). Doch bei einem Lost Place ist das, als ob man bei einem Gala-Dinner nur das Mineralwasser trinkt, um nachher sagen zu können, dass man dort war.

Noch deutlicher als beim Bonus zeigen sich die Auswirkungen von Social Engineering bei einem Cache von Elmarheissler, dem cogito ergo sum: Gelegt am 24.3.2005, verwirrten Zahlenblöcke in der Cache-Beschreibung tagelang die Rätsler. Inmitten einer Gegend, in der man beim FTF fast noch aufpassen muss, dass man nicht dem Owner die Dose beim Verstecken wegreißt, vergingen nicht Minuten, nicht Stunden, sondern eine geschlagene Woche bis zum Erstfund. Bis Mitte April tröpfelten die Find-Counts träge, dann loggte der erste etwas von einem „kleinen Anstoß von außen“. Dann ein gewisses Grill-Event des Cachelegers, und schon loggen neun weitere Cacher. Danach war der Witz des Caches allgemein bekannt. Wer irgendwie in der Community angebunden ist, rätselte dann kaum mehr selbst, die Final-Koords sind auf dem Markt, werden weitergereicht.

Sehr heikel ist das Thema Seilschaften bei Mystery-Bustern. Ich werde es an dieser Stelle nicht vorführen, aber: Man schaue sich einmal die Finder von Mysteries an. Ich könnte Wetten darauf abschließen, welche Cacher zusammenarbeiten, sich gegenseitig Koordinaten von Mysteries zuschieben, ganz nach dem Motto: „Tit for tat“. Nach dem anderen Motto „Leben und Leben lassen“ kann einem das egal sein. Und selbstkritisch muss ich auch zugeben, dass ich oft genug nur am Finalort herumsuche, aber die Koords gar nicht selbst ermittelt habe, was dann aber auch im Log steht.

Ist der Cacher-Tratsch nun gut oder schlecht? Muss wohl jeder selbst wissen. Aber er ist zumindest ein Beleg dafür, dass man mehr schafft, wenn man zusammenarbeitet. Und auch einer dafür, dass man auch in der sinnfreien Statistik weiterkommt, ohne den Finger zu rühren.

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Nov
20
2008
3

"Rundum-Sorglos-Paket" für Geocacher

tkscreen_2008-11-20_09-47-33 Lutz, DL3BZZ, spielte mir eine interessante Webadresse zu. Sie zeigt die Vermarktung von Geocaches in nahezu höchster Vollendung: Geobreaks. Das Prinzip: Eine Woche Urlaub in Spanien, dort betreutes Cachen bis zum Abwinken, außerdem abendliches Loggen der Caches, Lunchpakete und Extra-Super-Caches.

Nicht ganz statistik-förderlich ist, dass auch Caches gesucht werden, die nicht bei gc.com gelistet sind – also völlig unergiebiges Herumgelatsche bedeuten ;-). Außerdem gibt es einen Tag verordnete Freizeit, in der man so eklige Sachen machen kann wie Sonnenbaden, Schwimmen oder Shoppen. Eine Woche kostet (bei vier Teilnehmern) 495 Euro pro Person, Flug nicht inbegriffen. Ein genauso langes Wochenende im gleichen Hause als Wanderwoche kostet übrigens nur 185 Euro. Das finden schon Geocacher mit einer ausgeprägten Abneigung von Mysteries mit null Anstrengung heraus.

Ob wohl die Cache-Leger vor Ort gewusst haben, dass sie Teil einer kostenpflichtigen Bespaßungs-Industrie werden? 

Written by in: Sinn-Sachen-Suchen |
Okt
14
2008
8

Aarbergen: Gemeinde lässt Geocaching-Kommerz kalt

Das Wiesbadener Tageblatt berichtet gestern aus der Region Aar in einer kleinen, aber wunderbaren Geschichte, dass man nicht überall und um jeden Preis mit der kommerziellen Umsetzung des Geocachings einverstanden ist. Der Fall und ein Kommentar dazu:

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