Okt
14
2008

Aarbergen: Gemeinde lässt Geocaching-Kommerz kalt

Das Wiesbadener Tageblatt berichtet gestern aus der Region Aar in einer kleinen, aber wunderbaren Geschichte, dass man nicht überall und um jeden Preis mit der kommerziellen Umsetzung des Geocachings einverstanden ist. Der Fall und ein Kommentar dazu:

Wappen_Aarbergen Die Vertretung der Gemeinde Aarbergen lehnte es ab, für Geocaching Geld aus der Gemeindekasse zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister, Udo Scheliga, hatte nämlich vorgeschlagen, ein System zur Sightseeing, Wander- und Abenteuertouren anzuschaffen, allerdings als gemeinsame Aktion mit Nachbargemeinden. Das Ganze sollte insgesamt 21000 Euro kosten (das entspricht etwa 40 voll ausgestatteten Garmin Oregons). 5000 Euro sollten noch 2008, der Rest 2009 fällig werden. Die Opposition: „Es wäre besser, Boccia-Plätze anzulegen.“ Und Oppositionsführer Dieter Kirschhoch sagte, Geocaching sei eine „Nischen- und Trend-Freizeitbeschäftigung, deren Nutzen für Aarbergen nicht erkennbar“ sei. Er legte nach, bezeichnete es als Bauernfängerei, dies der Gemeinde für soviel Geld „andrehen“ zu wollen. Er verwies darauf, dass es laut Sachkundigen bereits jetzt möglich sei, Geocaching in Aarbergen zu betreiben, und zwar kostenlos. Fraktionskollege Holger Andrée fügte hinzu, dass ja die Gastronomen das Vorhaben „Geocaching“ angehen könnten, wenn sie sich einen Vorteil davon versprächen. Jürgen Fiedler, Vertreter einer Bürgerliste, äußerte sich skeptisch ob der Folgekosten, denn in der genannten Summe sei ja nur die Einführung des Systems an sich genannt. Andreas Müller, Vorsitzender des Ausschusses Sport, Kultur und Soziales findet den Vorschlag seines Bürgermeisters hingegen gut und sieht ein touristisches Potential. Der Bürgermeister, dem so viel Gegenwind um die Nase wehte, schlug vor, die Angelegenheit an den Sportausschuss zu überweisen, was knapp abgelehnt wurde. Also musste über die Vorlage in der Gemeindevertretung abgestimmt werden. Das Ergebnis: Mit 17 gegen acht Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt.

Beim Lesen gingen mir mehrere Sachen durch den Kopf:

Erstens: Dass Geocaching durchaus touristische Anreize setzen kann, wissen wir. Denn bei der Wahl des Urlaubsziels spielt bei nicht wenigen ambitionierten Cachern die Frage, wo man auch schöne Geocaches suchen kann, eine Rolle. Nicht immer die Hauptrolle, aber immerhin, in unseren Kreisen ist das wichtig. Das ist leider genau der Punkt. Denn „unsere Kreise“ sind alles in allem doch recht klein, also für eine Gemeinde gerade mal ein Tropfen im Ozean. Auch wenn Beelitz und Schwerin wegen toller Caches einen regelrechten Cachetourismus erzeugt haben: Gemessen an einem ordinären Spargelwochenende oder einer Kirmes ist das gar nichts. Es ist ein bisschen gewagt, das Geocaching als ein Tourismus-Motor im Format von „Jeder-Depp-kann-das“-Beschäftigungen wie Nordic Walking, Radfahren etc. pp. zu präsentieren. Die Sache ist auch insofern zweischneidig: Ist eine Gegend nicht gerade üppig bedost, werden Viel-Cacher nicht wiederkommen, sondern weiterziehen.

Zweitens: Man kann die Leute nicht immer für dumm verkaufen. So darf man mittlerweile durchaus damit rechnen, dass ein Politiker weiß, dass Geocaches für lau von Cachern für Cacher gelegt werden und man dazu kein Incentive organisieren muss.

Drittens: Folgt aus dem eben gesagten. Als Geocacher muss damit rechnen, dass Caches von der Tourismus-Branche vereinnahmt werden.

Viertens: Wenn man schon vorhat, Geocaching als zusätzliches Angebot zu organisieren, dann muss dies deutlich gründlicher geschehen als einfach ein paar Geräte anzuschaffen und vielleicht einen Stadt-Cache zu legen. Gute Beispiele: Papenburg (mit seinen kombinierten Fahrrad-Touren und Picknick-Korb), Friedrichstadt mit seiner historischen Stadtführung.

Fünftens: Wenn schon moderne Geräte, warum dann nicht ein Wherigo als Stadtführung? Sollte in Zeiten des Geotaggings von Fotos machbar sein.

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