Feb
03
2010

Wohlmeinende Tipps von Garmin und Wandersmännern

p1000598 … sollen marodierenden Geocachern im Wald Benehmen beibringen. Ich stehe achselzuckend vor der rührenden Banalität der "Tipps". Die vom Deutschen Wanderverband und Garmin gemeinsam vertretenen "Hinweise" sind indes keine wirklich neuen Maßregeln und bergen auch keine Folterinstrumente zu deren Durchsetzung: Dass man abseits der Wege in Naturschutzgebieten nichts versteckt versteht sich ebenso von selbst wie das Beachten von Brutzeiten. Jeder, der im Wald unterwegs ist, kennt das und beachtet das.

Mich stört, dass die Hinweise implizieren, dass sich Geocacher im Wald im allgemeinen benehmen wie die Axt im selbigen. Und ganz tief in mich hinein horchend, frage ich mich: Stimmt das vielleicht? Sicher nicht, so lange ich mich in der Natur so bewege, dass ich meinen "Fußabdruck" möglichst klein halte. Alle, die schon länger cachen, haben in diesen Dingen eine Lernkurve durchgemacht, die sie letztlich wieder zum Kiss-Prinzip bringt: "Keep it simple, stupid!" Statt Masse und High-Tech lieber einen schönen Wandermulti, bei dem es letztlich egal ist, ob man den Cache überhaupt findet oder ob man ihn gar im Internet loggt. Also das alte Prinzip "der Weg ist das Ziel". Nicht der Statistikpunkt. Punkt.

Dass derartige "Verhaltenshinweise" aber von außen kommen, wurmt mich. Denn sie kommen von den falschen Leuten: Garmin selbst etwa musste noch vor kurzem in die Grundzüge unserer Freizeitbeschäftigung eingeführt werden, manche fragen sich, ob das jetzt schon gelungen sein könnte. Und der Wanderverband als "Papa" der Deutschen Wanderjugend? Der ist den grundsätzlich allen vereinsmäßigen Aktivitäten abhold gegenüberstehenden Geocachern immer schon latent suspekt gewesen, trotz allem Bemühen um die Cacher.

Und frage mich nach den wirklichen Beweggründen für die gemeinsame Aktion. Fürchtet Garmin, dass Geocaching vielleicht ob der organisiert-herbeigeschriebenen Jäger-Proteste so reglementiert wird, dass letztlich Geocacher als Kunden für GPS-Geräte ausfallen. Oder bastelt Garmin - wie die Dosenfischer im Podcast 105 vermuteten - gar am Green-Image? Und was bewegt den Deutschen Wanderverband, sich zu einer Sache zu äußern, von der er bislang gar keine Notiz nahm? Und wie nimmt er Stellung zu anderen Waldbetretern, die auch im weitesten Sinne wandern? Etwa Pilzsammlern oder Kräuterhexen?

Wenn Garmin & co. wirklich am Fortbestand des Geocachings interessiert wäre, dann sollte die Firma sich eher darauf beschränken, ihr Geräte noch weiter zu verbessern (auch wenn sich da tatsächlich viel Positives tat und noch tut). Und wir Geocacher? Dass es welche gibt, die sich an keine Regeln halten wird mit steigender Zahl der Cacher einfach Manifestation der Statistik. Kann man nix machen. Aber viele der Neucacher müssen gute Beispiele vorgelebt bekommen. Auch angesichts der Flut an geballtem wirklichem Irrsinn wie Need Maintenance-Logs wegen stumpfer Stifte. Dabei mag man mir und anderen Arroganz gegenüber Neucachern unterstellen, doch das ist es nicht: Keinem sei das Durchlaufen der Lernkurve verwehrt, so lange sie immerhin nach oben führt.

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Written by ksmichel in: Sinn-Sachen-Suchen |

11 Kommentare »

  • Michael Zielinski sagt:

    “Und was bewegt den Deutschen Wanderverband, sich zu einer Sache zu äußern, von der er bislang gar keine Notiz nahm?”

    Schau doch einfach mal ins Impressum auf http://www.geocaching.de - und überleg dann, wer jetzt schon wohl eine Menge Presseanfragen bekommt…

    Mich wundert es jedenfalls nicht, daß jetzt proaktiv so eine Pressemeldung erscheint. Schließlich kann man so bei Problemen mit einem Cache sagen, daß Naturzerstörung und Geocaching eben nicht zusammengehören….

    • ksmichel sagt:

      Hi Micha,
      Im Impressum von gc.de steht aber die WanderJUGEND, nicht der WanderVERBAND. Der hat sich tatsächlich bisher bedeckt gehalten.

      Dass die Presse sich über den Weg gc.de ihre Infos holt, ist nachvollziehbar - wer weiß denn schon, dass die Mehrzahl der Cacher mit gc.de nichts am Hut hat, statt dessen sein täglich Döschen über gc.com besorgt?

      Beim Thema “proaktive Pressemitteilung” bin ich gespalten. Klar ist es gut, Probleme offensiv anzugehen. Aber nur, wenn sie auch wirklich verbreitet bestehen. Ich glaube aber, dass sich hier zwei Parteien lediglich Geocaching als Anlass genommen haben, um sich selbst als “edel, hilfreich und gut” darzustellen.

      Somit erscheint mir eine solche Aktion der wirksamste Weg zu sein, die Meinung “Geocacher brauchen Nachhilfe in Sachen Naturschutz” überhaupt erst mal in die Welt zu tragen. Selbst wenn man zugeben muss, dass das Statement sehr sanft formuliert war - es bleibt doch etwas Dreck an uns hängen …

  • Elchrich Elch sagt:

    Mich stört die Selbstverständlichkeit mit denen der Wanderverband und Garmin diese Aussagen treffen. Hand aufs Herz: Hier geht es nur darum eine Pressemeldung zu initieren.
    Interessant ist auch, dass neben diesen Hinweisen auf der Homepage vom Wanderverband nur der Garmin-Logo prangt. Jedoch steht Garmin nicht nur für Geocaching. Segler und Piloten sollten dies wissen…

  • Markus sagt:

    Endlich mal eine Betrachtung der Dinge mit etwas mehr Abstand und ohne die Anmutung eines persönlichen Feldzugs.

  • Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by alligateuse: Oh der @ksmichel2 hat mal wieder was geschrieben ;-) http://www.ksmichel.de/?p=969 #garmin #wanderjugend #geocaching…

  • Schrottie sagt:

    Das dieses Thema schon vor ein paar Wochen tausendfach durchgekaut wurde hast Du nicht mitbekommen?

    • ksmichel sagt:

      die Presseinfo ist vom 12.1., also zwei Wochen alt. Natürlich habe ich gelesen, was andere dazu schreiben und habe gehört, was andere dazu sagen. Und wenn es schon gar so schön durchgekaut ist, dürfte dieses Thema doch jetzt sehr leicht verdaulich sein.

  • Hallo ksmichel,

    in dieser Sache hatte ich einen interessanten (öffentlichen) Dialog mit Simon.

    http://getoverhere.isgreat.org/2010/01/positionspapier-fur-geocaching/

    Da ich nicht alles nochmal schreiben oder einfach nur Copy&paste machen möchte, verweise ich die geneigten Leser/innen zu “get over there”, um die vielfach aufgegriffenen Argumente auszutauschen.

    Herzliche Grüße
    Jörg

    PS: Der Wander_verband_ verfolgt seit langem das Thema Geocaching, bisher waren die bei den Naturschutzwarten eingetroffenen Problemmeldungen nicht so zahlreich. Das hat sich geändert. Daher der Wunsch aus den Reihen der Naturschutzwarte, was zu initiieren, damit die Anzahl der Konflikte eben nicht weiter zu nimmt.

  • mo-cacher sagt:

    Als Dessert wars völlig ok ;-)

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