Okt
08
2008

Cachen mit dem Blackberry Curve 8310: Cacheberry

snap0009Mit dem Blacberry Curve (und anderen Modellen) kann man geocachen. Doch dazu muss man leiden können.

Nachdem ich mit dem Erfolg versprechenden  Trimble Geocache Navigator schon mal auf einem Nokia-Testhandy herumprobiert hatte, installierte ich ihn auch auf meinem Blackberry Curve 8310 – es hat schließlich GPS, da konnte es sich mal nützlich machen. Wie die 4Frischlinge jedoch ganz richtig kommentierten, ist der Zugriff auf die Daten des Servers oft nicht möglich, absurde Fehlermeldungen die Folge. Klartext: Du stehst im Wald, könntest cachen, kannst aber nicht, weil dazu mit dem Geocache Navigator zwingend eine Online-Verbindung nötig ist. Ach, wie schön wäre es dann, wenn ich eine Offline-Datenbank hätte – mit Zugriff auf eine Cachedatenbank im Handy. Gibt’s, und das Ganze heißt Cacheberry und wird hier vorgestellt:

Es war einmal … oder: Lange Rede, die nichts zur Sache tut

Der Blackberry war lange Zeit das Angeberinstrument wichtigtuerischer Manager. Ein Normalsterblicher hatte gefälligst vor Neid zu erblassen, wenn er mal einer Edel-Brombeere angesichtig wurde – nicht ahnend, dass der Hüter derselben sich gleichzeitig als ewig Zwangsverfügbarer disqualifizierte. Doch RIM, der Hersteller dieser Erreichbarkeitsfolter-Instrumente versucht seit einigen Jahren, die Brombeeren auch normalen Werktätigen zugänglich zu machen. Schließlich hatte vor rund 19 Jahren schon ein andersartiger Versuch mit Bananen gut geklappt. RIM versorgt jedenfalls nun auch aus reiner Fürsorglichkeit womöglich solche Leute wie mich mit Brombeeren. Hinreichender Schluss: Ich habe auch so eine Banane Beere. Nicht hinreichende Folgerung: Ich bin ein Manager. Nö, bin ich nicht. Dann hätte ich nämlich keine Zeit fürs Cachen, weil ich immer Golf spielen müsste.

Das Problem (oder: Ich will Lösungen, aber keine Probleme!)

hatte ich eingangs geschildert: Geocache Navigator kann nur mit Online-Verbindung benutzt werden, sonst ist es so wertvoll wie ein kleines Steak, nämlich gar nicht. In Palm-OS-Geräten kennt man das Offline-Datenbank-Programm Cachemate. Es funktioniert auch auf Windows-basierten Smartphones und Pocket PCs. Also: Mit GSAK die Caches für eine Tour oder ein Gebiet aussuchen, ein File auf das kleine Taschenhirn spielen und dann hat man unterwegs alles dabei. So in etwa muss man sich Cacheberry vorstellen – naja: fast.

Die Funktionen (oder: die Papierform)
  • unterstützt Geocaching.com GPX-Format (aber auch GPXe aus GSAK!)
  • Sortierte Cache-Listen
  • zeigt Logs von Findern und Nichtfindern an
  • Listet und decryptet Hints
  • zeigt an, ob verfolgbare Elemente (vulgo: TBs und Coins) im Cache sind
  • Zeigt Cache auf Google Maps mobile
  • Zeigt Cache auf BlackBerry Maps
  • Man kann Caches als gefunden markieren und Kommentare dazu eingegeben
  • Man kann die Cacheliste nach Entfernung (aktuell oder von irgendeinem Bezugspunkt), nach Namen etc. pp. sortieren lassen.
  • zeigt Entfernung und Richtung eines Caches vom Bezugspunkt (dem ersten Cache) an.
  • Man kann eine Liste der gefundenen Caches direkt an eine E-Mail-Adresse senden
  • Suche nach Wegpunkt, im Namem, dem Beschreibungstext und nach Owner
  • Import von SD-Card oder Datentransfer per USB

Die Version Es läuft mit Blackberry-Geräten mit OS 4.5/4.3/4.2 (Curve 83xx, Pearl, 8800 Serie, 8700 Serie) und OS 4.1 (7100 Serie, 7250, 7290, 7520).

Die Testversion läuft 30 Tage, danach ist eine Registrierung für 14,95 US-Dollear fällig – zahlbar per Paypal oder Kreditkarte.

Ein paar Bilder zwischendurch (oder: Drama, Baby! Drama!)
bbscreen[2] Links die Cache-Art, daneben die TB-Spalte, die Enfernung vom obersten Cache, die Richtung, der GC-Code und der Name.
bbscreen[4] Die Cachebeschreibung: Oben noch hui, aber unten verschluckt sich der Parser schon mal, zeigt ein paar Tags an, die er besser im Dunkel des Vergessens gelassen hätte. Irritiert aber nur selten.

 

Installation (oder: Nu mach hinne!:

Am freundlichsten fürs Datenvolumen ist der Download von der Seite des Anbieters und das Überspielen mit der Blackberry Desktop-Software. Da nicht wenige Probleme mit diesem Monster haben (es funktioniert nämlich nicht, damit Programme zu installieren), sollte man eine neuere Version benutzen. Keine Sorge, die gibt’s hier und ist nur lächerliche 283 MB klein – mit einem 56-k-Modem ist sie also schon nach knapp 12 Stunden auf dem Rechner. Besser ist, man fragt jemanden, der sie schon hat. Ok, wer das nicht will oder einen guten Datentarif hat und sich um das eine oder andere MB nicht grämt, der bekommt auch eine OTA-Installation über den Blackberry.

Zusätzlich ist ein weiteres Programm erhältlich, wenn auch nur für wenige nötig: Die Cacheberry Desktop Windows Applikation braucht nur, wer in seiner Schwarzkirsche keine Speicherkarte hat. Damit kann man dann die GPXe direkt aufs Gerät überspielen. Die weitaus meisten hierzulande ausgelieferten haben aber ohnehin eine SD-Karte oder es ist ohnehin sinnvoll, bei Oma einen Kleinkredit aufzunehmen, um eine solche zu erstehen.

Betrieb (oder: Durchführung von Maßnahmen zur Durchführung):

bbscreen[1]Nachdem das Cacheberry-Programm endlich installiert ist, erscheint eine kleine Schatztruhe (siehe viertes Bildchen in der dritten Reihe). Nach dem Start wird zuerst die Registrierungsnummer aus der E-Mail von Cacheberry (wir nehmen doch zum Registrieren besser eine Wegwerf-Adresse, gelle?) eingetragen.

bbscreenDann gähnt es uns zuerst mal mit einem ziemlich leeren Bildschirm an. Logisch, keine Arme,  keine Kekse. Erste Bürgerpflicht (nach dem "Nicht-zur-Bank-gehen-um-das-Ersparte-abzuheben"): Ein GPX muss auf den Blackberry. Aber wie? Naja, genauso wie sonst auch: entweder direkt von der gc.com-Seite oder aus GSAK. Ich habe letzteres ausprobiert, die GSAK-Spezialfelder aber vorsichtshalber ausgelassen und die Zahl der Logs beschränkt. Mit einer Datenbank-Größe von rund 400 Caches gab es keinerlei Performance-Probleme – Cachemate-Gefühle stiegen warm hoch.

Tja, und wie kommen die GPXe aufs Gerät? Das geht so einfach, dass es quietscht. Einfach das USB-Kabel anschließen, den Blackberry auf Massenspeichermodus stellen und das GPX auf ein Verzeichnis der SD-Karte schubsen. Fettich. Dann abstöpseln. Cacheberry starten und ihn schuften lassen.

Ein paar Impressionen, die dann erstmal mehr sagen sollen als die tausend Worte, die ich bis jetzt schon verpalavert habe:

bbscreen[2] Die Cache-Liste: Man kann Caches mit so genannten Tags markieren, wenn man auf der betreffenden Zeile steht. Das hebt sie dann dunkelgrau hervor (wieso hab ich davon kein Bild gemacht, grr?). Gut zum "Parken" von Caches, die man angehen will.
bbscreen[6] Hints? Bitte schön!
bbscreen[7] Prädikat wertvoll: Ein Cachelisting lässt sich auf die Schnelle online aufrufen. So erfährt man schnell, ob der Cache zeitweilig verwüstet oder anderweitig aus dem Verkehr gezogen wurde.
bbscreen[10] Caches einer Liste lassen sich sortieren…
bbscreen[12] … und am spannendsten ist, dass man sie auch direkt nach der Entfernung listen lassen kann. Es lassen sich auch einige "Lieblingsorte" anlegen.
bbscreen[14] Und zum Sortieren läuft die Eieruhr – bei 400 Caches etwa 8 Sekunden lang.
bbscreen[18] Was in der Cache-Auflistung angezeigt werden soll, lässt sich anhaken. Bei den schmalen Displays sinnvoll.
bbscreen[21] Sehr gut: Cacheberry verwaltet mehrere Datenbanken. Und wenn man neue Daten unter einem Namen der alten Datenbank aufs Gerät leiert, dann fragt das Programm artig, ob es löschen oder ergänzen soll ("mergen").
 bbscreen[24] Im Optionen-Dialog trägt man die GC-ID ein (nicht wie im Bild den Cacher-Nick, ich Hirni!). Da ich nicht fließend ROT13 spreche, soll er Hints (die ich sowieso erst nach Klick zu sehen bekomme) gleich entschlüsseln. Und Emailen will ich auch, bitte!
 bbscreen[22] Diesem Wunsch lässt sich mit einer Menüauswahl Nachdruck verleihen…
bbscreen[23] … worauf Cacheberry ganz zu Recht wissen will, was es denn schicken soll.
bbscreen[25] Ja, endlich ein Programm, das akzeptiert, dass hinterm Berg auch noch Leut wohnen.
bbscreen[26] Auch das Menü lässt sich zurechtstutzen.
Praxis beim Cachen (oder: Hosen runter!)

Man nehme:

  1. die Hände aus den Hosentaschen.
  2. den Palm in die Hand und starte Cacheberry.
  3. Wähle im Menü "Sort" und dann "GPS-Location" (dauert etwas länger, bis GPS-Empfang vorhanden) oder einen Cache in der Nähe.
  4. Fahre auf einen interessierenden Cache und wähle im Menü "select".
  5. Man nehme sein GPS in eine verfügbare Hand (es müsste noch eine vorhanden sein) und finde (mal eben) den Cache.
  6. Muggels in der Nähe durch abstoßendes Verhalten verscheuchen.
  7. Cache aus den Tüten auswickeln, das Wasser auskippen, neuen Logstreifen rein und unterschreiben. Kiste zu – TBs sind sowieso geklaut. Dose besserverstecken. Tüten mitnehmen und sicher (!) vernichten, am besten verbrennen.
  8. Mit verdreckten Cacherpfoten in Cacheberry den Menüpunkt Memo wählen, "found " anhaken und einen mehrseitigen launigen Kommentar verfassen. Mitcacher beruhigen.
  9. Sich am Find-Haken auf dem Cache-Listing erfreuen (und am Find-Zähler, der am unteren Fensterrand um eins nach oben geklettert ist)
  10. Nach Hause laufen, weil die anderen schon weitergefahren sind.
Pleiten, Pech, Pannen (oder: Plumpes Plaudern?)
  • Es ist mir nicht gelungen, Caches auf Google Earth anzeigen zu lassen. Das Resultat war immer ein totaler Totalabsturz (Amoklaufender Prozess: Google Earth startet, weiß nicht, was los ist und fragt alle fünf Sekunden nach). Nur Akku raus hilft. Verdach: APN-Problem.
  • Der Umgang mit Child-Waypoints ist sehr stiefmütterlich. Cacheberry sagt sinngemäß: Meine Kinder sind das nicht, mit denen will ich nichts zu tun haben.
  • Gelegentlich bleibt Cacheberry einfach hängen. Selten, zugegeben. Vielleicht gefällt ihm der Cache dann nicht.
  • Wie beschrieben, kommt manchmal die Cachetext-Darstellung aus dem Tritt, baut dann sinnlose HTML-Tags ein.
  • Es fehlen die Spoilerbilder. Immerhin: Mann könnte dann online nachschauen. Dann greift aber meistens das Gesetz des kumulierten Pechs: Wenn man’s braucht, hat man kein Netz.
  • Das Programm greift aufs GPS zu, zeigt Richtung und Entfernung. Was, zum Henker, hindert die Entwickler daran, fürs eigentliche Suchen einen Bildschirm mit Richtungspfeil und Entfernungsangabe zu spendieren? Das ist der Schritt, den der Geocache Navigator von Trimble dem Cacheberry voraus hat. Aber: Hilfe naht: Die Kompass-Ansicht ist auf der Bald-Fertig-Liste.
Fazit:

Cacheberry ist ein guter Cachemate-Ersatz für Palm-Umsteiger, aber natürlich noch nicht perfekt. Ganz besonders deshalb nicht, weil sich das Programm zum Stand-alone-Cachen schlicht nicht eignet und sich unnötig als Nur-Hilfsanwendung degradiert. 

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2 Kommentare »

  • Lutz, DL3BZZ sagt:

    Tolles Spielzeug. Da bleibe ich doch bei meinem GPS u. Handy.

    Schönes Wochenende
    Lutz, DL3BZZ

  • Team Jöclamaja sagt:

    Als ehemaliger Iphone-Diensthandybesitzer wurde ich nun zum BlackBerry 9900 Bold Besitzer ?degaradiert?.
    Das Chacingprogramm auf meinem IPhone war super.
    Ich will hier aber nur meinen Senf zu Deinen Ausführungen geben… Vielen Dank für diesen Geil geschriebenen Block. Hat mir viel Spaß beim lesen bereitet!
    Gruß
    Jörg vom Team Jöclamaja aus Hambühren/Celle

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