Schon wieder ne neue Topo? Jein. Die Garmin-Karte “Deutschland digital” (99 Euro UVP) lässt sich NICHT aufs GPS überspielen. Was soll mir die Software dann noch bringen? Habe ich mich auch gefragt und sie mir daraufhin noch mal genauer angeschaut. Übrigens: Ein Klick auf die Bilder vergrößert die Darstellung
Was macht das Programm?
Garmin Digital Deutschland ist im Prinzip ein Karten-Betrachtungsprogramm für die 1:50000-Karten der Landesvermessungsämter, dem (tätäää!) alle Karten schon beiliegen. Also spart man sich den Kaufpreis für die TOP-50-Karten für jedes Bundesland (summa summarum also rund 430 Euro.
Kartenansichten: Es zeigt Karten bis zum Maßstab 1:20.000 erträglich an (links), bei 1:20.000 (rechts) wird es aber schon etwas pixelig.
Zum Vergleich mal zwei Aufnahmen aus der Garmin Topo V2 (oben) und aus der NT9 (unten):
Satellitenansicht: Es zeigt außerdem Deutschland in (recht groben) Satellitenbildern - mit der Geschmeidigkeit von Google Earth nicht zu vergleichen: Gut für eine Übersicht, aber mehr als einen Maßstab von 1:100.000 möchte man niemandem zumuten. Immerhin: Unterwegs und ohne Internetzugang besser als nichts.
POIs, Straßennamen und anderes: Nachteil einer Topo ist ja, dass sie keine Straßennamen enthält, außer es stehen welche drauf: Klar, dass jeder die dafür typischen Namen wie K9 und die L214 kennt, oder? Die Übersetzung in “richtige” Straßennamen erledigt ein Teleatlas-Modul mit Straßennamen. Auch Ortsnamen lassen sich einblenden. Wer genau hinschaut, entdeckt auch Unterschiede zwischen der Topo und dem Teleatlas-Overlay, zumeist begründet im älteren Kartenmaterial der Topo. Links die Satellitenansicht mit Straßennamen, rechts mit Ortsnamen.
Die POI-Anzeige ist gewöhnungsbedürftig. So bedurfte es erst einiger Zoomvorgänge in der Karte, bis POIs wie Bushaltestellen korrekt angezeigt wurden. Sehr gut fand hingegen die POI-Suche auch “merkwürdige” POIs dank einer sehr detaillierten Rubrizierung.
Manko: Eigene POIs lassen sich nicht aufspielen, also auch keine Geocaches. Hierzu muss man einen Umweg gehen - über die sogenannte Wegpunktverwaltung lassen sich Geocaches hineinmogeln. Wieviel? Das ließ sich nicht genau feststellen. Die 9000 Tradis aus meiner GSAK-Datenbank schluckt das Programm, ohne aus der Kurve zu fliegen. Aber leider: Man kann den Wegpunkten zwar Fotos zuordnen, nicht aber Symbole, also auch keine geschlossenen Boxen, Fragezeichen etc. pp. Immerhin werden die Namen angezeigt. Bei größeren Sammlungen kann das dann schon mal unübersichtlich werden:
3-D-Ansichten: Das ist wohl die Paradedisziplin: Die Zutaten: Man schließe einen GPS-Empfänger an den Composter an und lade den Track einer schweißtreibenden Wanderung herunter. Dann drückt man auf im 3D-Fenster des Programms Start und lehnt sich zurück. Die Geländeüberhöhung lässt sich bis aufs fünffache einstellen, so dass auch der Übungs-Hügel des Maulwurf-Nachwuchses sich imposant als alpin anspruchsvoll in Szene setzt. Links ein Stück 3-D-Ansicht, rechts die 2-D-Draufsicht:
Routen planen: Man kann auch auf der Karte einen Track zeichnen (links), ihn einfärben und ihn via Trackverwaltung später aufs GPS laden. Vor einer Radtour wäre es aber besser, sich zuvor das Höhenprofil anzuschauen (unten), sonst gibt es später Mecker von den Mitschiebern:
Karten für den PDA: Das Programm enthält ein Modul, dass die Anzeige von Karten auf einem Windows-PDA erlaubt. Da ich sowas nicht habe, blieb dies leider ungetestet, doch immerhin soll es erwähnt sein. Ist der PDA GPS-tauglich, könnte dies ja gewisse Möglichkeiten eröffnen, zum Beispiel beim Cachen!
Kann die Karte auch zum Cachen benutzt werden?
Ganz ehrlich? Na ja. Eher nicht, weil der Cacher oft schon andere Spielsachen dafür hat. Zum Planen einer Tour lässt sich nämlich auch Mapsource mit dem vorhandenen Kartenmaterial nutzen, besonders wenn man die bestens auflösende Topo V2 hat. Aber es ist einfach zu schön, sich nachher den Track vom GPS herunterzuladen und sich die Tour als 3D-Flug anzuschauen. Nur: Auch das geht noch thrilliger mit Google Earth, sofern man eine flotte Internetverbindung hat.
Theoretisch lässt sich zwar eine Cache-Tour auch mit einer illustrativen Karte planen, doch beim Ausdrucken gibt es eine böse Überraschung. Da versperrt ein aufdringlich großer Copyright-Hinweis den Blick auf eine Ecke der Karte - Pech, wer dort eigentlich Straßen und Wege zu finden hoffte:
Was mir gefallen hat:
+ guter 3D-Modus
+ eigene Touren planbar und als Track/Wegpunkte aufs GPS überspielbar
+ viele POIs
+ Überspielen von Kartenausschnitten auf PDA möglich
Was mir gar nicht gefallen hat:
- gelegentliche Abstürze des 3D-Moduls
- mangelnde Unterstützung für Geocaching
- platzverschwendender Copyrighthinweis beim Ausdrucken.
- Aktivierungszwang der Software und Verbot, es auf mehreren Computern zu installieren (nur einmaliger Ersatz bei defektem Erstgerät erlaubt):
Ich habe ja auch ueberlegt, mir die Karte zu kaufen, aber ich bleibe wohl bei Top50. In der Version 5 macht Top50 mit dem integrierten “Navigation”-Plugin endlich halbwegs Spass (auch wenn die GUI sehr altbacken daherkommt).
99 Euro ist sicher ein Knallerpreis - aber in den meisten Faellen kommt man ja mit der Karte “seines” Bundeslandes aus und da gewinnt eben Top50.
Danke für diesen tollen Bericht!
Laut Systemanforderungen benötigt man satte 15 GB auf der Festplatte.
Kling ja alles sehr intressant… ABER…
Ich benutze gern die Top50 Karten um die berühmten M.B.-Faltkarten zu erzeugen.
Die Top 50 benötigen meiner Meinung nur maximal 5 GB (ganz DE).
Dieser Copyright Hinweis stört schon bein Ausdruck.
Lassen sich bei den Karten die *.OVL (Overlays) einbinden?
mfg M.B.
Ich habe mal geguckt: Es lassen sich .OVL-Dateien einbinden, aber nur als Track. Als Wegpunkformate werden nur GPXe und .wp-Dateien verstanden. ov2-Dateien, zum Beispiel aus GSAK frisst das Programm nicht.
Grüße, Michael
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