In der Rhein-Main-Presse von heute stand ein Artikel, nach der mal wieder “besorgte Bürger” (die gibt es nur in dieser Ausführung - oder hat schon mal jemand “unbesorgte Bürger” gesehen? - Bezeichnend für unser Land!), äh ja, was denn? Jedenfalls haben Blockw äh Bürger die Polizei alarmiert, weil am Wiesbadener Kurhaus Unbekannte dabei auffielen, wie sie ein Behältnis irgendwo versteckt deponiert haben.
Mich selbst befremdet es sehr, dass Tupperdosensucher einen Alarm auslösen können, aber Gewalttätigkeiten nicht.
Trotzdem überlegt die Staatsanwaltschaft den Dosenleger zu verklagen, und die Cacher haben laut Rhein-Main-Presse Angst, dass die Einsätze bezahlt werden müssen. Der ganze Artikel ist hier zu finden. Ein paar Anmerkungen dazu:
Der Autor des Artikels hat wohl nicht alles richtig verstanden, was örtliche Cacher ihm sicherlich gut erklärt haben. So erfand er Travel-Caches, die angeblich oft in Zügen liegen. Insgesamt macht der Artikel sehr stark den Eindruck, dass seltsame Leute seltsame Dinge tun (und das eigentlich verboten sein sollte?). Angeblich diskutieren die Cacher der Region schon darüber, ob sie die Caches nicht samt und sonders “rein präventiv” der Polizei melden sollten.
Im grünen Forum wird darüber zwar diskutiert, aber eben nicht so. Hier dreht es sich darum, ob der Cache-Leger den Einsatz bezahlen muss. Und “Creativemike” kommt zur Ansicht:
OVG (Oberverwaltungsgericht) Münster urteilt zur Gefahrenabwehr bezüglich Anscheinsgefahr:
Für die Kostenpflicht ist in der Regel nicht die Sicht im Zeitpunkt der gefahrenabwehrbehördlichen oder polizeiliche Maßnahme maßgeblich, sondern die wirkliche Sachlage, wie sie sich bei späterer rückschauender Betrachtung objektiv darstellt! (OVG Münster 1993, NJW 1993,2698). Weiter: Dem als Unbeteiligten in Anspruch genommenen Nichtstörer kann ein Entschädigungsanspruch zustehen!
Ich habe wegen des eigenartigen Tenors des Artikels kurzerhand einen Leserbrief geschrieben (ich glaube, mein erster):
Wie Ihr Autor auf “Travel”-Caches gekommen ist, weiß ich nicht: Es gibt sie nämlich nicht, und schon gar nicht in Zügen. Vielleicht meint er Travel-”Bugs”. Das sind kleine nummerierte Anhänger, die meist mit einer Aufgabe (z. B.: “Reise nach Stavanger”) versehen sind und von Geocachern von einem Cache zum anderen transportiert werden. Den Reisefortschritt kann man dann im Internet verfolgen.
Ein paar Fakten zum Geocaching habe ich vermisst: Es gibt mittlerweile rund 55000 Geocaches in Deutschland, Tendenz stark steigend, beinahe jede Dorfkirche ist bereits “vertuppert”. Und: Geocaching wird zunehmend von Tourismusverbänden entdeckt - mit der GPS-Schatzsuche werden Übernachtungsgäste angelockt - zum Beispiel nach Papenburg (Ostfriesland) und auch in den Schwarzwald.
Beinahe jede Tageszeitung hatte das Hobby Geocaching bereits vorgestellt (”elektronische Schnitzeljagd”). Und ein Semi-Promi wie Comedian Bernhard Hoecker hat darüber schon ein Buch (”Bekenntnisse eines Schnitzeljägers”) geschrieben. Bei meinen eigenen Touren erkläre ich immer wieder, was ich tue, und sehr oft wissen die Leute sehr wohl, was Geocaching ist.
Ich denke: Aufmerksame Zeitgenossen könnten jemanden, der mit einem GPS-Gerät auffällig herumsteht, gar eine Tupperdose in der Hand hat, sicherlich mehr anfangen als Menschen, bei denen das Sicherheits-Schräuble so locker sitzt, dass sie überall Bomben und Terroristen vermuten.
Ich gehe mal davon aus, dass die “Quelle” des Wiesbadener Kuriers mit Travel-Caches die beweglichen Caches von opencaching.de meinte. Kannte ich bis zu dem Artikel auch noch nicht.
Moin,
ich schätze “Marcus Neumann” hat bei dem Interview versucht so genau wie möglich zu erklären was Geocaching ist. Das Reporter das schreiben was sie “meinen” verstanden zu haben ist ja hinlänglich bekannt. Ich möchte nicht wissen, was aus dem Artikel ohne Informationen von “Marcus Neumann” geworden wäre
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Grüße aus Bingen Heiko aka Sturnus Canus
[...] - mit vielen neuen Infos. Unter anderem auch zum “Fall Wiesbaden”, der insbesondere bei ksmichel sehr schön aufbereitet ist (ansonsten auch im grünen Forum ausreichend diskutiert [...]