Gestern hatte ich einen beruflichen Termin, der mir viel Spaß bereitet hat: Ich war an einer der in Deutschland insgesamt neun Brutstätten, wo das Kartenmaterial für unsere elektronischen Wegweiser in liebevoller Handarbeit aufgezogen wird - im Regionalbüro von Navteq. Einige Eindrücke und Fotos:
Der Büroleiter, Holger Iwersen, empfing mich um kurz vor zehn, und dann ging es erstmal zur Sache: Mein Kollege hatte mir eine Adresse mitgegeben, die schon seit Jahren in keinem Navi zu finden ist: Bei den Eichen in Adendorf. Eine Neubausiedlung, zu der Möbelwagen oft hin müssten, aber kaum können. Eine Straße, in der die Pizza vom Bringdienst immer kalt ist.Und wo besuchswillige Freunde vorher richtig gebrieft werden müssen. Iwersen erklärte, wieso dieses Gebiet immer noch ein weißer Fleck ist: Zuständig ist das Büro Hildesheim, und wie das hiesige Büro sei es ebenfalls nicht so üppig besetzt, wie man sich das vorstellt: In Hamburg arbeiten beispielsweise gerade mal sechs Kollegen plus minus einiger Hilfskräfte - was, bitteschön, aber nicht heißen soll, dass es noch fünfzig andere gibt, die nur rumsitzen. Die kleine Mannschaft beackert den gesamten norddeutschen Raum und ab und zu auch Projekte in anderen Ländern, etwa Slowenien. Momentanes großesThema: Fußgängenavigation. Dazu werden etliche Einkaufszentren mit ihren Durchgängen, Parks und Buslinienverläufe (auch: U- und S-Bahn) und Fahrpläne erfasst. Da bleibt eine kleine Straße im Neubaugebiet schon mal liegen.
Wie machen sie’s:
Navteq fährt mit speziell ausgerüsteten Fahrzeugen rund 7,5 Mio. Kilometer ab, und das Jahr für Jahr. Denn auch wenn auf der Verpackung steht: 7200 neue Kilometer, dann bedeutet das nicht, dass der “Rest” nicht auch unter die Räder genommen wurde. Und das lohnt sich immer: Hier steht mal ein neues Schild, da ist eine neue Einmündung und dort wurde vielleicht die Straßenführung geändert.
Als wir zum Besichtigen eines Fahrzeuges nach draußen gingen, war ich gespannt. Die Mitarbeiter sind schon ein bisschen stolz auf Ihre Autos: Von außen machen die kleinen Vans gar nicht viel her, und die Ausstattung ist in erster Linie auf Robustheit getrimmt, denn sie muss auch Feldwege locker wegstecken und das bei einer täglichen Fahrleistung von wenigstens 500 Kilometern.
Der GPS-Empfänger steckt im Kofferraum. Es handelt sich dabei um ein Differential-GPS. Ablesen kann man darauf nichts, denn alle Daten werden nach vorn zum Computer geführt.
Die Antenne auf dem Wagendach ist abnehmbar, das Kabel gegen Vandalismus und hitchhikende Büsche (die gerne mal kleinere Wege flankieren) gesichert.
Das Herzstück: Ein Monitor, der das gesamte Straßennetz zeigt. Außerdem alle möglichen Schaltflächen, mit denen der Beifahrer während der Fahrt Schilder und andere Merkmale einfügen kann.
Der Rechner steckt im Handschuhfach. Nichts Dolles, aber er hat sogar herausnehmbare Festplatten - man weiß ja nie.
Noch einmal der Monitor in Großaufnahme.
Mit dem Grafiktablett kann der Beifahrer alle Eingaben vornehmen. Die Tastatur unterm Sitz bleibt so meistens unbenutzt.
Eine hochauflösende Kamera schießt jede Sekunde (bei schneller Fahrt auch öfter) ein Bild. es wird sofort an den Computer gesendet und darauf gespeichert. Am Dachhimmel hängt ein Mikrofon. All das kann bei der späteren Verarbeitung der Daten im Büro helfen, die aufgenommenen Daten zu verifizieren beziehungsweise dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen.
Es gibt auch einige Fahrzeuge mit großen Multisicht-Kameras auf dem Wagendach. In Hamburg waren sie bestellt, passten aber nicht durch die dortigen Tiefgaragendurchfahrten - upps!
Und so sieht das Auto von der Seite aus:
Hausaufgaben!
Wieder im Büro zeigte man mir bereitwillig, wie beispielsweise ein neuer Weg in eine Karte eingebaut wird. Der Arbeitsplatzmonitor zeigt beispielsweise dieses Bild:
Ja, es ist der Elbtunnel
.Jede Straße kann bis zu 264 Attribute tragen. Das sind beispielsweise Durchfahrverbote, Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Abtrennungen durch Poller. Diese Attribute müssen jeweils gesetzt werden, und zwar händisch oder makrogesteuert. So ist klar, dass bei der Ausfahrt einer Einbahnstraße die entsprechende Querstraße automatisch ein Abbiegeverbot als Attribut erhält.
Die Straßen bestehen jeweils aus so genannten Links, die einzelne Einmündungen miteinander verbinden. Die Nummern etwa in Bildmitte stehen für Hausnummern.
Und hier wird eine neue Straße eingefügt. Der Link fehlt noch, aber die Wegeführung ist durch die Trackpunkte schon vorgezeichnet. die Geschwindigkeitsberechnung auch schon drin. Und so wird es wohl bald auch für meinen Kollegen ein ganz ähnlich aussehendes Monitorbild geben. Das hat Herr Iwersen zumindest versprochen.
[...] Einbahnstraße zugewiesen? Einen sehr interessanten Bericht mit vielen Fotos dazu gibt es bei ksmichel. Prädikat: [...]
Ein dickes DANKESCHÖN für diesen Beitrag!
Großartige “Reportage”, spannend und informativ. Einfach toll.
Wau, sehr interessanter Beitrag auf kleinen “Raum”. Vielen Dank für den schönen Bericht.
Bis denne
Lutz, DL3BZZ
Ein sehr interessanter Artikel!
Vielen Dank für den Einblick hinter die Kulissen von Navi und Co!
[...] Bei Ksmichel gibt es einen sehr schönen Insider Artikel über die Arbeit an Navteq Kartenmaterial. Sehr zu empfehlen. http://www.ksmichel.de/?p=289 [...]
[...] Wo die kleinen Karten herkommen (tags: gps) [...]
Wo die kleinen Karten herkommen…
Der ksmichel hat Navteq mal einen Besuch abgestattet und von dort einen detaillierten Bericht mitgebracht, wie denn die in den Navis verwendeten Karten denn eigentlich entstehen und gepflegt werden. Sehr interessant. Schaut mal vorbei!
……
Vielen Dank für den Beitrag, sehr interessante Sache! Was für eine Arbeit das nach dem Abfahren der Strecke noch händisch einzupflegen.
Danke für interessanten Bericht!
VG hhhl
Super Ali, jetzt weß sogar Mama was du tust…. küsse deine Mutti
[...] nur an 4lagig-deluxe zum Beispiel. Oder ksmichel, dem ich zu gerne ein paar Fragen zu seinem tollen Artikel über die Erfassung von Kartendaten gestellt hätte. Oder KBreker, der neulich mit seinem Kommentar doch nicht so ganz daneben lag. [...]
[...] Geräte bei so einer Fahrt an Bord des Fahrzeuges eingesetzt werden, wusste ich vor dem Lesen des Artikels nicht. Beeindruckend ist auch, was der Beifahrer wann und wie an Detailinformationen zum [...]
Schöner Artikel, leider etwas irreführend. Was mich hier stört ist die Zahl “neun”. Mittlerweile werden es tausende Stellen oder noch mehr sein, wo Geodaten erfasst und kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ich spreche von den vielen freiwilligen Mitgliedern des openstreetmap-Projekts, deren Anzahl exponentiell wächst.
Es zeichnet sich deutlich ab, dass einige wenige bezahlte Datenerfasser trotz ihrer aufwändigen Technik gegenüber dem immer dichter werdenden Netz von lokalen Helfern nicht mehr konkurrenzfähig sein werden.
Die hier beschriebene Methode der Datenerfassung gehört zu einem auslaufenden Geschäftsmodell.
Interessanter Hinweis, danke dafür!