Da soll noch jemand sagen, Geocacher sind lichtscheu, mögen die Heimlichkeit und hassen Vorsager. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass alle möglichen Leute, denen ich das nie selbst erzählt habe, wussten, dass ich drei Wochen in Ägypten zum Tauchen war (daher kein Blog-Eintrag - das ungehütete Heim muss man Dieben ja nicht auf die Nase binden
). Nein, auch beim Cachen blüht der Tratsch das gesunde Interesse an Dingen.
Habt ihr euch nicht schon gewundert, wie seltsam die Finde-Daten bei besonders schwierigen Caches verlaufen? Erst beißen sich tage- oder wochenlang die Cacher die Zähne daran aus, vielleicht gibt’s Notes oder sogar DNFs auf der entsprechenden Seite. Dann der FTF. Der armen Sau Dem glücklichen Finder läuft sofort das E-Mail-Postfach über, was er gottlob nicht bemerkt, weil er plötzlich sehr viel Anrufe von guten Cacherfreunden bekommt. Nein, nach einem Hint wird dabei nicht gleich gefragt, aber man wollte sich ja immer schon mal wieder melden und “einfach so quatschen”.
Schon bald kommt der nächste Find. Dem wird ähnlich viel Aufmerksamkeit zuteil. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Haufenweise fallen Cacher am Ort der Dose ein, lassen sich - vollgestopft mit Vorab-Infos - an der kurzen Leine zum Cache führen. Das Log ist so sicher wie die Gewichtszunahme nach dem weihnachtlichem Marzipankartoffel-Missbrauch.
Besonders auffällig wird dieses Spiel in Beelitz, etwa am Bonus. Bis zur Umgestaltung gab es immer wieder mal längere Strecken, in denen mal 25 Cacher, mal 22 und sogar einmal 58 Dosensucher hintereinander den Cache gefunden haben. Auch nach der ersten Verlegung des Finals im Juni brach die Serie kaum ab. Dann kam die große Umgestaltung am 1. Oktober. Und sofort hagelte es 9 DNFs hintereinander! Ein paar Finds später noch einmal 5 DNFs, da sank die Gesamt-Erfolgsaussicht auf nur noch 89 Prozent. Dabei hatten doch bestimmt alle das “All-Inclusive-Paket” mit garantierten Funden bestellt! Und nun doch unerwartete Erfolglosigkeit - und das vor allen Mitlesern der Watchlist! Man möchte vor Scham im Boden versinken. Wie kömmet diese Erfolglosigkeitswelle? Sind etwa schon zu viele der schon dagewesenen üblichen Verdächtigen nach der Umgestaltung des Caches als Telefonjoker unbrauchbar geworden?
Oder nehmen wir einen Lost Place namens Tarnname Totschka. Da morsen Dosenspechte von den Barackendächern, dass sich wohl einige das lästige zeitraubende Suchen von Stationen gleich gespart haben, sich per Telefonjoker die Final-Koordinaten besorgt haben und dann nur noch zu einer speziellen Sehenswürdigkeit des Geländes gegangen sind. Mööönsch, das macht man ja höchstens bei schlecht gemachten 0815-Abzählcaches irgendwo im Nirgendwo (und erzählt’s dann keinem!). Doch bei einem Lost Place ist das, als ob man bei einem Gala-Dinner nur das Mineralwasser trinkt, um nachher sagen zu können, dass man dort war.
Noch deutlicher als beim Bonus zeigen sich die Auswirkungen von Social Engineering bei einem Cache von Elmarheissler, dem cogito ergo sum: Gelegt am 24.3.2005, verwirrten Zahlenblöcke in der Cache-Beschreibung tagelang die Rätsler. Inmitten einer Gegend, in der man beim FTF fast noch aufpassen muss, dass man nicht dem Owner die Dose beim Verstecken wegreißt, vergingen nicht Minuten, nicht Stunden, sondern eine geschlagene Woche bis zum Erstfund. Bis Mitte April tröpfelten die Find-Counts träge, dann loggte der erste etwas von einem “kleinen Anstoß von außen”. Dann ein gewisses Grill-Event des Cachelegers, und schon loggen neun weitere Cacher. Danach war der Witz des Caches allgemein bekannt. Wer irgendwie in der Community angebunden ist, rätselte dann kaum mehr selbst, die Final-Koords sind auf dem Markt, werden weitergereicht.
Sehr heikel ist das Thema Seilschaften bei Mystery-Bustern. Ich werde es an dieser Stelle nicht vorführen, aber: Man schaue sich einmal die Finder von Mysteries an. Ich könnte Wetten darauf abschließen, welche Cacher zusammenarbeiten, sich gegenseitig Koordinaten von Mysteries zuschieben, ganz nach dem Motto: “Tit for tat”. Nach dem anderen Motto “Leben und Leben lassen” kann einem das egal sein. Und selbstkritisch muss ich auch zugeben, dass ich oft genug nur am Finalort herumsuche, aber die Koords gar nicht selbst ermittelt habe, was dann aber auch im Log steht.
Ist der Cacher-Tratsch nun gut oder schlecht? Muss wohl jeder selbst wissen. Aber er ist zumindest ein Beleg dafür, dass man mehr schafft, wenn man zusammenarbeitet. Und auch einer dafür, dass man auch in der sinnfreien Statistik weiterkommt, ohne den Finger zu rühren.