Aug
31
2009
33

No Press please? Das funktioniert nicht

Aasgeier haben sie. Politiker auch, und erst recht Promis, die sich nicht so gerne ins Privatleben gucken lassen. Und seit jüngster Zeit auch Geocacher. Die Rede ist von schlechter Presse. Ärgerlich. Ja. Jetzt sehen einige Geocacher die Lösung in einer Totalverweigerung gegenüber den Medien. Ich sage: Das bringt so viel wie alle Formen der Totalverweigerungs-Lösungen: nichts.

Was wird passieren? Wer ein Thema nicht selbst besetzt, muss nicht glauben, dass es deswegen in den Medien nicht stattfindet. So funktionieren die Medien nicht, auch wenn man das nicht gut findet. Wenn etwa Geocacher die Öffentlichkeit nicht über ihr Tun informieren, dann bleiben sie ihr grundsätzlich eher suspekt (”Wat de Bur nich kennt, dat fret hei nich!”). Als Muggel möchte man dann dem Jäger zuzustimmen, der gegenüber Geocachern im Wald bei der Presse Front macht. Für Geocacher schlecht, denn in dieser Situation muss schon der Pressemann selbst darauf kommen, dass es durchaus gewisse Rechte für Personen gibt, den Wald zu betreten, auch abseits von Wegen. Unwahrscheinlich, dass das klappt. Da ist es schon besser, wenn auch der Geocacher für sein eigenes Interesse Lobby-Arbeit betreibt.

Nehmen wir dazu also an, dass die bekannten und daher womöglich besonders häufig gefragten Geocacher keine Auskunft mehr geben. Ist deswegen für den Pressemenschen das Thema gestorben? Nö, es gibt doch ein paar Zehntausend Geocacher - irgendeiner macht’s dann eben doch, und das wird dann auch mal der Newbie mit 6 Dosen sein. Rechnet euch aus, ob solch ein Vertreter genau wissen kann, was er sagt. Abgesehen davon: Es wird immer die Deutsche Wanderjugend (DWJ) geben, die sich dann zu Wort meldet. Wollt ihr das? Wollt ihr, dass die DWJ für alle spricht? Ich kann mir das nicht vorstellen.

Drittens: Pressearbeit einstellen, damit keine neuen Cacher mehr kommen ist so wirkungsvoll wie einen Dammbruch mit Fensterkitt abdichten zu wollen. Die Presse selbst produziert nämlich nicht annähernd so viele Geocacher wie die Geocacher selbst mit Ihren Erzählungen gegenüber den Bekannten und Freunden. Meistens läuft es doch so: Man erzählt dem Freund, was man tut, damit man nicht als armer Irrer dasteht, und dann “gelingt” in 50 Prozent der Fälle schon die Infektion. Dann noch ein bisschen Mathematik, und schon haben wir die Exponentialkurve als hässlich besungene Cacher-Schwemme.

Was also tun?

Wir können als Geocacher nicht bestimmen, ob über uns berichtet wird. Der Zug ist abgefahren, denn dass es uns gibt, ist kein Geheimnis mehr und es wird es auch nicht wieder werden. Sicherlich mag man räsonieren, ob es nicht besser gewesen wäre, von vornherein immer im Konspirativen gehandelt zu haben. Aber das haben wir nicht - und ich auch nicht.

Wir sind also bekannt in der großen Welt da draußen. Und unsere Interessen stehen bisweilen auch denen anderer Menschen im Weg. Es ist ihr gutes Recht, sich darüber zu beschweren und  zu versuchen, die öffentliche Meinung hinter sich zu bringen. Auch durch Medienarbeit.

Daher bleibt uns kaum eine Wahl, bei Buhlen um die Gunst der Öffentlichkeit mitzumachen. Auch wenn es manchmal in die Hose geht, so können wir doch durch eine sorgfältige Beteiligung an der Medienarbeit eine Lobbyarbeit von Jägern, Förstern etc. pp. gegen uns erschweren.

Als Medienmensch kann ich daher - auch aus vielen Erfahrungen in anderen Bereichen - nur empfehlen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, denn dann wird nur über den (sichtbaren) Arsch berichtet. In den man dann auch gern mal getreten wird, weil der Kopf die Gefahr nicht mehr wahrnehmen kann.

Damit ihr mich recht versteht: Wer sich in Medienhände begibt, muss die Tricks der Medienprofis kennen, hier und da auch klar “NEIN” sagen und es auch mal auf einen Abbruch eines Drehs etc. pp. ankommen lassen.

  • Wenn es um eine Suchbegleitung geht: Dann verlegt das Versteck dafür - dann sind auch Spoiler egal.
  • Überlegt, ob ein toller Cache womöglich von der Öffentlichkeit ganz anders interpretiert werden kann.
  • Quatscht nicht mit losem Mundwerk, sondern macht einen Plan von Dingen, die ihr auf jeden Fall sagen wollt.
  • Nicht jeder Cache ist mediengeeignet. Benutzt den Computer zwischen euren Ohren für die Auswahl.
  • Überlegt, ob das, was ihr sagt, auch falsch verstanden werden kann und fragt nach, was der Medienmensch verstanden hat. Dann könnt ihr ihn korrigieren.
  • Und will er partout in eine bestimmte ideologische Richtung, dann brecht die Sache ab.
  • Schärft dem Medienmenschen ein, dass bestimmte Dinge gibt, die nicht genannt werden dürfen. Das ist so wichtig wie der Informantenschutz seiner Zunft.
  • Seht nicht euch im Vordergrund, sondern die Wirkungen, die das Medienstück haben kann und wird: Wer im Flecktarn mit Vollausstattung zum Waldspaziergang (T2) erscheint, macht sich nicht nur selbst lächerlich, sondern auch die Geocacher an sich!

Und trotz aller Vorsicht wird es vorkommen (und leider zu oft!), dass man mit dem Ergebnis als Geocacher nicht glücklich ist. Bitte setzt euch dann auch die Muggel-Brille auf: Ist es wirklich so schlimm, wenn im Artikel TB und Coins verwechselt werden? Konkret zur dpa-Aktion: Es ist absolut absehbar gewesen, was dort passiert ist. Der Multiplikator (dpa) hatte seine Meinung schon, die ersten drucken’s nach. Die anderen sehen, dass es wohl ein Thema ist, das läuft. Sie springen auf den Zug auf. Und schon hypt das Ding. Analytisch betrachtet hat der dpa-Mensch hier Lobbys gesehen, die Naturschützer-Lobby und die Naturbenutzer-Lobby. Zynisch, aber wahr: Sich auf die Seite der Naturschützer zu schlagen bringt immer mehr Sympathien ein.

Mär
19
2009
5

Interview: Was die Deutsche Wanderjugend mit Geocaching zu tun hat

screen_2009-03-18_18-47-11Hallo Jörg, du bist bei der Deutschen Wanderjugend (DWJ) verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Die DWJ betreut im Rahmen der Seite geocaching.de auch Presseanfragen über Geocaching.

Hallo Michael. Ja das stimmt. Wir sind ein ganz kleines Büro und jede/r von uns hat ziemlich viele Aufgaben. Und im Bereich Geocaching erledige ich neben unserer Bildungsreferentin und unserer Bürokraft überwiegend die Anfragen zum Thema Geocaching.

Die DWJ beschäftigt sich als Organisation damit, junge Leute dazu zu bringen, rauszugehen in die Natur. Dabei fördert ihr auch das Geocaching als Stilmittel. In Schleswig-Holstein eskaliert aber derzeit gerade ein neuer Vorstoß, das Waldbetretungsrecht zu verschärfen. Er sieht unter anderem vor, das Betreten des Waldes abseits von Forstwegen in der Zeit von 1. Februar bis zum 15. Juni zu verbieten. Deine Meinung dazu?

Junges Wandern ist ein besonderes Thema für uns, das zeigt der Bundeswettbewerb “Jugend wandert” (jugend-wandert.de), welcher gerade zu Ende gegangen ist. Geocaching als Methode ist neben Themenwanderungen, Zeltlagern, Trekking oder ähnlichem eine von vielen Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche nach draußen zu locken. Und dazu noch eine sehr gute, weil es halt mit moderner Technik zu tun hat. Das begeistert Kinder nun mal.

Zum Vorstoß in Schleswig-Holstein kann ich nur sagen, dass unter einer solchen - in meinen Augen abstrusen - Idee gerade Kinder leiden werden. Kindergärten und teilweise auch Schulen gehen mittlerweile mit den Jüngsten raus in die Natur, in den Wald. Sollen die jetzt vom 1. Februar bis 15. Juni nur auf einen Spielplatz dürfen? Oder dürfen Wander- oder Sportvereine dann nicht mehr ein Jugendcamp oder ein Zeltlager veranstalten? Oder dürfen unsere Kinder den Wald nur noch vom geschotterten Weg aus von Ferne ansehen? Bei aller (vorgegebenen) Liebe für die Natur, da hat jemand nicht lang genug über die Auswirkungen nachgedacht. Und die Naturschutzverbände, so wie wir übrigens auch einer sind, was wenige wissen, haben sich ja gleich öffentlich dagegen ausgesprochen, was wohl einiges sagt.

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Written by ksmichel in: Interviews |
Mai
24
2008
0

Interview: American Football und Geocaching haben viel gemeinsam - sagt Thomas85

Ein etwas anderes Interview. Mir sind Leute immer schon suspekt gewesen, die nur ein einziges Hobby haben und sonst gar nichts kennen und von nichts anderem wissen wollen. Manchmal entwickeln solche Leute einen ungesunden Fanatismus, der wiederum Normalos das Hobby vermiest.

thomas schiri bei SeadevilsDaher hat es mich sehr gefreut, dass ich neulich mit Thomas85 einen Cacher interviewen konnte, den ich zwar noch nie gesehen habe, der aber ein interessantes und seltenes zweites Hobby hat: American Football. Thomas im September 2007 mit dem Dosensuchen angefangen und jetzt schon gut 300 Finds auf der Uhr. Er sagt: “Beide Hobbys haben viel mehr miteinander zu tun als man denkt.” Das Interview:

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Written by ksmichel in: Interviews | Schlagworte: , ,

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